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30. November 2008 - 22. Februar 2009
Heinz Breloh. Skulptur als Körperspur


Diese erste Retrospektive unternimmt den Versuch, sich dem wenig erschlossenen bildhauerischen Lebenswerk von Heinz Breloh (geb. 1940 in Hilden, gest. 2001 in Köln) begrifflich zu nähern, seinen Verzweigungen nachzugehen und es in seiner inneren Logik und Konsequenz durch eine Auswahl von wichtigen Hauptwerken im Überblick anschaulich zu machen. Es geht um ein bildhauerisches Schaffen, dessen konzeptionelle Tragweite bisher nur bedingt reflektiert wurde und dessen Verwirklichung zu wenig bekannt ist, obwohl es jede Beachtung im Rahmen einer kritischen Selektion der Bildhauerkunst ausgangs des 20. Jahrhunderts verdient.

Katalog

 

 

28. September 2008 - 25. Januar 2009
Standort Alltag. Everyday Ideologies

Blick in die Ausstellung. Foto (2): Kunstmuseum

 

Die Ausstellung umfasst ein breites Spektrum exemplarischer Positionen. Ausgehend von sehr unterschiedlichen Realitätskonstruktionen zum Thema Alltag spannt sie einen Bogen von der Überhöhung des sinnlich wahrnehmbaren Alltags in den Gemälden Karin Kneffels weltumspannende Themen visualisierenden Globen der Serie „Worldprocessor" (1988-2005) von Ingo Günther, Live-Bilder aus der Privatsphäre in „Day part" (2008) von Chris Newman, bis hin zum Spiel mit der scheinbaren Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit der eigenen Beobachtung in den Skulpturen von Mai-Thu Perret oder Iris Kettner. Ob die Solidarisierung mit den Marginalisierten der Gesellschaft in den Fotografien „Behind the Block" von Tobias Zielony oder die ganz konkrete Bewusstheit für politische Wirklichkeit in den Fotografien der Serie „Protesting the U.S. War in Iraq" (2006/07) von Judith Joy Ross und dem Video „Casio, Seiko, Sheraton, Toyota, Mars" (2004/05) von Sean Snyder -, immer werden spannungsreiche Verbindungen zwischen Kunst und Wirklichkeit geknüpft, die es dem Betrachter ermöglichen, die Grenze zwischen Alltäglichkeit und Absurdität, zwischen ungewohnten Zugängen zu Vertrautem und gewohnten Sehweisen auf Unbekanntes selbst zu erfahren.

 

Künstler:
Persijn Broersen & Margit Lucács. Joachim Brohm. Amy Granat. Ingo Günther. Jörg Herold. Iris Kettner. Karin Kneffel. Douglas Kolk. Sigalit Landau. Juan Muñoz. Chris Newman. Heribert C. Ottersbach. Mai-Thu Perret. Judith Joy Ross. Sean Snyder. Robert Voit. Tobias Zielony

 

 

14. Juni - 14. September 2008
Rashid Johnson. Newgro - sharpening my oyster knife

Rashid Johnson. Found Portrait of a Young Negro Scholar. 2007
Courtesy moniquemeloche gallery. Chicago

 

Rashid Johnson ist in Chicago aufgewachsen. Er gehört zu einer jungen Generation afroamerikanischer Künstler, die auf äußerst kritische Weise die Suche nach den Wurzeln ihrer kulturellen Herkunft zum Grundthema ihrer künstlerischen bzw. gesellschaftlichen Auseinandersetzung machen.

Johnson sagt z.B.: „Wir werden in diesem Land beinahe als Fremde behandelt, so entwickeln wir eine Sprache, die beinahe fremd ist. Das ist der Ursprung von Slang oder von urbanen Dialekten." Wie aber ist es für einen Künstler möglich, individuelle Strategien zu entwickeln, gebunden an die eigene Ethnie, wo doch die Wegmarken der Kunst lange Zeit beinahe ausnahmslos von Weißen gesetzt wurden? Bedeutet Respekt vor Leistungen der „weißen" Avantgarde schon Verrat am „Schwarz-Sein" (Blackness), und wie äußert sich Schwarz-Sein, wenn es nicht zwangsläufig von der Straße oder aus der Armut kommt sondern aus der intellektuellen Mittelschicht des ausgebildeten Künstlertums?

Die künstlerischen Strategien Johnsons sind offen in den Mitteln und Techniken. Sie reichen von Fotografie, Malerei und Skulptur bis zu Performance, und sie gehen darüber hinaus, dringen ein in kulturelle Alltagsformen von Kommunikation, Sprache und Musik. Sie sind ästhetisch unangepasst und politisch provokant. Johnsons künstlerische Äußerungen stehen in der Bindung an die Subkultur der Schwarzen, an Graffiti und Rap, aber sie basieren nicht auf emotionaler Expression sondern auf intellektueller Reflexion.

Die Ausstellung zeigt eine Reihe neuer Werke, die Johnson speziell für Magdeburg, seine erste Personalausstellung in Europa, hergestellt hat, aber auch Leihgaben aus Amsterdam, Wien, Kopenhagen und Chicago. In den vergangenen zwei Jahren wurden Werke des Künstlers von wichtigen öffentlichen Sammlungen in den USA erworben, so vom Whitney Museum of Art/New York, Chicago Art Institut, Seattle Art Museum.

Rashid Johnson wurde 1977 geboren und lebt in New York. Einige seiner Arbeiten waren im Magdeburger Kunstmuseum 2006 / 2007 in der Ausstellung „A noir, E blanc, I rouge, U vert, O bleu - Farben" zu sehen.

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9. März - 22. Juni 2008
Norbert Prangenberg. Venustas et Fortuna

Norbert Prangenberg. Figur. 2006. Courtesy Galerie Carsten Greve. Foto: Hans-Wulf Kunze

 

Wenige Bildhauer konnten in den letzen Jahren über ein spezielles Material, ihr Material, den bildhauerischen Kanon unserer Zeit so konsequent neu definieren, wie es Norbert Prangenberg (geb. 1949 in Rommerskirchen, lebt in München und Köln) mit dem Ton gelang. Die eigentümliche Kraft und Charakteristik seiner farbigen keramischen Skulpturen entwickelte sich aus einer ganz speziellen, unvergleichlichen Verbindung von Gefäß und Figur in monumentaler Größe. Bekannt wurde Prangenberg mit seinen vasenförmigen, lebensgroßen, teils höchst subtil, teils schrill und expressiv gefassten und glasierten keramischen Plastiken, die immer Tradition berühren und dennoch völlig freie, skulpturale Äußerungen sind. Immer ist der Werkprozess Form bildendes Element. Die neuesten, in Magdeburg erstmals gezeigten Skulpturen ziehen eine weitere waghalsige Verbindung, die von der Skulptur zum Bild. Wieder überrascht der Bildhauer mit einem ungewöhnlichen Weg, der der Plastik völlig neue Impulse geben wird.

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In der Projektreihe Interferenzen:
Eleonore de Montesquiou. Die Pendlerinnen


aus: Die Pendlerinnen

 

Emilia und Joana leben in Polen und arbeiten in Deutschland. Die junge französische Filmkünstlerin Eleonore de Montesquiou (lebt in Berlin) schildert den Alltag der beiden jungen Frauen aus Poznan. In sensiblen Beobachtungen dokumentiert sie eine Lebenswirklichkeit in Deutschland, die neben und völlig außerhalb der staatlich geordneten Realität existiert, die nicht gesehen und nicht registriert wird, obwohl sie zu den typischen Gegebenheiten unserer Zeit gehört. Interviews mit den beiden Polinnen ziehen den Zuschauer der Filme durch ihre ungewöhnliche Nähe ins Vertrauen. Montesquiou zeigt die Wirklichkeit ihrer eigenen Generation für die der Wandel und ein Leben im Transit zur Normalität gehört.

Katalog. Zeitungsheft