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12. Oktober 2010 - 9. Januar 2011
Bjørn Melhus. Nachtwache / Nightwatch


Bjørn Melhus, Nachtwache / Nightwatch, Detail, Standbild


Unter einer frei stehenden Projektionstafel versammeln sich Zelte zu einem nächtlichen Lager. In den temporären Behausungen flackern im Gleichtakt grelle Lichtreflexe, die mit den auf der Tafel gezeigten Bildern eines kollektiven, medialen Bewusstseins im Dialog zu stehen scheinen. Während die Filmbilder stumm bleiben, folgt das Licht im Inneren der Zelte fiktionalen Klangzitaten von Atmungsorganen zwischen Anspannung, Schmerz und Lust.

Die Nachtwache ereignet sich auf der Schwelle von Bewusstseinszuständen der Kontrolle und dem Kontrollverlust, dem Wechselspiel von Bewachen und Bewacht werden und dem halluzinatorischen Zustand der Insomnia (lat. „Schlaflosigkeit").

Unerhaltung oder Unheil, Fiktion oder Realität, am Ende bleibt der fade Nachgeschmack von Situationen, die uns nicht unbekannt sind, wo sich die Grenzen vernebeln und uns das Ruder aus der Hand läuft, wo wir die Regeln nicht mehr verstehen und nur noch aufgesogen werden, verurteilt dazu, verlegen zu Lächeln.
Bjørn Melhus' neuere Installationen greifen über die Medien hinaus in den realen Raum ein. Ausgehend von einem 40 m langen tonnengewölbten Ausstellungsraum in Magdeburg entsteht eine großformatige Medieninstallation. Der Ausstellungsraum wird zum sozialen Raum, der den Betrachter integrieren wird.
Wenige Künstler haben in ihren Arbeiten so tiefgründig die Psychologie unseres Fernseh- und Medienzeitalters analysiert, die Idee der ständigen Rollenverwandlungen, wie Bjørn Melhus. Wenige verstehen es so subjektiv und skurril wie allgemein zutreffend die Symptome dieser Gegenwart aus sich selbst als Akteur und Betroffener abzuleiten.

Katalog

 

 

27. November 2010 - 9. Januar 2011
Hermann Brösel - Fotograf und Chronist

im Guericke-Zentrum Lukasklause

 Hermann Brösel. Von der Zollstraße, kurz vor der Bordbrücke. stromauf. Mai 1940

 

Bereits seit seiner Jugend mit der Fotografie vertraut, hinterlässt der Magdeburger Farbenfabrikant Hermann Brösel (1902-1984) ein völlig unbekanntes fotografisches Schaffen mit vielen Tausend Aufnahmen aus fünf Jahrzehnten. Die erst vor wenigen Jahren aufgetauchten Alben, in denen er seine Fotografien akribisch archiviert hat, befinden sich heute überwiegend im Stadtarchiv Magdeburg.
Schon die Kontinuität ist beachtlich, mit der sich Hermann Brösel in den Dienst der Fotografie stellt und bildlich festhält, was dem Wandel der Zeit unterliegt, sein Umfeld und die Stadt Magdeburg, ihre Entwicklung, ihre Brüche. Nicht weniger bemerkenswert als seine Beobachtungsgabe, sind seine Fähigkeit und Intuition bei der Gestaltung der Aufnahmen. Immer wieder steht dabei die Elbe im Mittelpunkt seines Interesses. Mit dem Krieg werden die Zerstörung und der Wiederaufbau zu Themen seiner fotografischen Darstellung und Kritik. Viele Aufnahmen erlangen poetischen und symbolischen Ausdruck. Früh von der Moderne geprägt, sind es Bildzeugnisse einer Jahrzehnte auf sich selbst gestellten Sicht von Fotografie, die ihre Aufgabe aus sich selbst definiert, mit fotografischen Bildern zu bezeugen was stattfindet, damit es für die Zukunft sichtbar bleibt.
In Verbindung mit der Ausstellung ist das Buch „Hermann Brösel - Fotograf und Chronist" erschienen. Es enthält mehr als 200 hochwertig gedruckte Fotografien sowie Texte von Eckhart W. Peters, Uwe Gellner, Maren Ballerstedt und Liane Radike.


Die Ausstellung ist ein Projekt des Kunstmuseums Magdeburg und des Stadtplanungsamtes Magdeburg im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010, Magdeburg - Leben an und mit der Elbe.

 

 

4. - 29. September 2010
Viewing Lounge -
Videos aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst
der Bundesrepublik Deutschland

Corinna Schnitt. Freizeit (Merheimer Heide). Köln. 2001. Video. Standbild  

 

Videos aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland sind gegenwärtig im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen zu sehen. Die Ausstellung im oberen Tonnengewölbe des Museums führt unterschiedliche künstlerische Positionen zusammen. Dokumentarisches steht neben Inszeniertem, Alltägliches neben ironisch betrachteten Absurditäten des Kunstbetriebs.
Ist es bei Christoph Brech in „Black Pool" die Fahrt mit der Kamera durch den urbanen Raum, wobei sich die Lichter zu kaleidoskopischen oder dynamischen Farbflächen abstrahieren und das Grollen des Verkehrs als Begleitmusik erscheint, inszeniert Christian Jankowski in „Herzlichen Glückwunsch" mit vier Grabrednern je eine Laudatio auf den Gewinner eines hoch dotierten Kunstpreises, um auf die Unmöglichkeit des Vorhabens aufmerksam zu machen, unterschiedliche Kunstwerke zu vergleichen und eines davon zu prämieren.
Maix Mayers „Raumgleiter" bewegt sich durch die (noch) leeren Räume des neu gebauten Leipziger Bildermuseums. Die Abwesenheit der Menschen und Kunstwerke lässt die Architektur zur Geltung kommen, verweist aber auch darauf, dass diese der anderen Dinge letztlich nicht bedarf.

Künstler: Christoph Brech. Christian Jankowski. Sven Johne. Nina Könnemann. Maix Mayer. Olaf Nicolai. Corinna Schnitt

 

 

20. Juni - 29. August 2010
Günter Unterburger
KANON
 

Günter Unterburger, KANON, Detail, Foto: Hans-Wulf Kunze

 

Die Skulpturen aus Kunstguss, die Günter Unterburger unter dem Titel KANON ab 19. Juni 2010 im Kunstmuseum Magdeburg erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, unterschreiten knapp die normale Lebensgröße, tragen Alltagskleidung und ähneln ihren Betrachtern in Physiognomie und Habitus. Dennoch sind es seltsam anmutende Brüche, die diese Figuren charakterisieren. Da ist das ausdrucks-starke Gesicht eines jungen Mannes, schmal und ausgewogen, doch viel zu groß sitzt der Kopf auf dem kindlich proportionierten Körper.
Günter Unterburgers Beschäftigung mit dem menschlichen Körper entspricht dem konzeptionellen Denken seiner Arbeiten der vergangenen Jahre. Die Figuren tragen die Namen von frühchristlichen Heiligen und traditionell zugehörige Attribute. Dennoch wirken sie nicht wie ideale, vollkommene Menschen, sondern krank an Körper und Seele. Oder sind es hybride Wesen, Mischwesen an der Grenze vom Mensch zum Tier oder zur Natur, die eine Metamorphose durchlaufen? Haben Entrückt-sein, Verzweiflung und Depression sie ergriffen, angesichts ihrer Rolle als Vorbild? Nicht um neue Idole, neue Heilige geht es, vielmehr um die Verwerfungen der alltäglichen Existenz, um gesellschaftliche Außenseiter. Günter Unterburger verankert seine Figurenwelt ganz in der Gegenwart und fragt nach neuen Bildern des „Heiligseins" in der heutigen Gesellschaft.

GÜNTER UNTERBURGER, geb. 1959 in Peißenberg/Oberbayern, 1983-1989 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München, lebt in Berlin

KANON ist die zweite Ausstellung des Künstlers im Kunstmuseum Magdeburg. 1996 war ihm die erste Schau in der Ausstellungsreihe „Interferenzen" gewidmet.

 

 

20. Juni - 29. September 2010

Viewing Lounge - John Smith. Blight

16 mm / Video. Musik: Electra Strings und Helen Ottaway
1994 - 1998. 14 Min. Kunstmuseum Magdeburg 

 

Mit seinen seit den 1970er Jahren enstandenen Experimental- und Kurzfilmen wurde John Smith (geb. 1952 in London) zu einem Wegbereiter der Videokunst. 

"Blight" zeigt den Abriss eines Wohnviertels im Londoner Osten, um Platz für den Bau einer Schnellstraße zu schaffen. Zwischen den ächzenden Balken und den Staubwolken heruntergerissener Ziegel treten Worte, Bilder, Erinnerungen zutage. Das Verschwinden des Viertels aus dem Londoner Stadtplan, darunter jener Häuserzeile, in der John Smith wohnte, wird aus der Nahsicht der Kamera auf die Abrissdetails an einem Gebäude dokumentiert. Immer wieder lösen sich die Stimmen ehemaliger Anwohner aus dem emotional getragenen Klangteppich des Films, der die montierten Bildsequenzen in einen zeitlupenartigen Abgesang kleidet. Der lange zurückliegende Ruf einer Frauenstimme, "Kill the spiders", scheint sich in seinen unablässigen Wiederholungen gegen das geplante Autobahnnetz der Stadt zu richten. Aber mit den Häusern verschwinden die Erinnerungen, der Strom der am Bauzaun vorüberfahrenden Autos überdeckt stiller werdenden Protest: "I don't really remember". 

 

 

3. März - 10. April 2010

Manfred May. „... lebe ich inmitten..."

Blick in die Ausstellung 

 

Manfred May (geb. 1948 in Magdeburg, lebt in Benshausen) hat seine ruhige Rauminstallation „... lebe ich inmitten..." für die Hochsäulige Kapelle am mittelalterlichen Kreuzgang im Kunstmuseum entwickelt. Sie verbindet unterschiedliche Materialien wie Glas und Papier oder wie Idee und Erinnerung. Die Installation lässt einen Raum im Raum entstehen, offen, aber nicht begehbar, sichtbar und konkret, dennoch imaginär, Teil des Künstlers oder auch Betrachters und gleichzeitig unabhängig von ihm.

 

 

17. Januar - 4. April 2010
Everyday Ideologies. Zeitläufe, Lebenswege

Blick in die Ausstellung

 

Diese zweite Gruppenausstellung unter dem Titel Everyday Ideologies knüpft an ein erfolgreiches Vorhaben von 2008 an. Nach Standort Alltag heißt der Untertitel der aktuellen Ausstellung Zeitläufe, Lebenswege. Nach der Orts- bzw. Raumbestimmung tritt in diesem zweiten Teil die Auseinandersetzung mit der Zeit in den Fokus. Wieder geht es um Werke der Kunst, die sich in den Bezug zur Wirklichkeit stellen - um Aussagen zur Gegenwart. Im Spektrum der 18 beteiligten Künstler und ihrer inhaltlichen Themen zieht die Ausstellung Verbindungen in fast alle Erdteile, in die Zentren und an die Ränder der Aufmerksamkeit. Verknüpft in den Wandel der Zeit und mit der Sensibilität künstlerischen Vorgehens kann man die Werke der Ausstellung auch als Blaupausen des Lebens auffassen. In ihnen geht es z.B. um Erinnerung, Verlust, Verwandlung, Illusion, Utopie oder Alltag. Das ist nicht illustrativ gemeint, sondern als emotionale, vielleicht kritische und moralische Reflexion parallel zur empfundenen Realität oder einfach als Formulierung des persönlichen Zeitgefühls unserer Tage.


Künstler:
Hagen Bäcker. Tacita Dean. Pepa Hristova. Teresa Hubbard & Alexander Birchler. Peter Land. Rémy Markowitsch. Michael Müller. Deimantas Narkevi?ius. Jenny Perlin. Johannes Rochhausen. Florian Slotawa. Joel Sternfeld. Hito Steyerl. Mariusz Tarkawian. Michael Wesely. Stephen Wilks