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5. Juli - 30. September 2012: Voilà ... von FREUNDEN für ALLE

verlängert bis zum 21.10.2012


          
Marie-Jo Lafontaine, aus der Reihe "Babylon Babies", Fotografien, 2001

 

Die Entstehung von öffentlichen Kunstsammlungen ist ohne bürgerschaftliches Engagement nicht denkbar gewesen, auch wenn dies in der Öffentlichkeit weitgehend aus dem Blick geraten ist. Stiftungen, Schenkungen und Vermächtnisse machen auch heute einen wichtigen Teil der Museumssammlungen aus.
Diese Ausstellung richtet den Fokus ganz bewusst auf ausgewählte Kunstwerke, die in den vergangenen 10 Jahren durch private Förderer und Freunde des Museums dauerhaft in den Museumsbesitz aufgenommen werden konnten. Anlass der Ausstellung ist das zehnjährige Bestehen des Vereins der Freunde und Förderer des Kunstmuseums Magdeburg, dessen Mitglieder es sich zu einer der Hauptaufgaben gemacht haben, zeitgenössische Kunst für die Sammlung des Museums zu erwerben.

 

 

12. Juni - 9. September 2012: Jannis Kounellis

 

Jannis Kounellis vor den für die Magdeburger Ausstellung entstandenen Werken 
Foto: Hans-Wulf Kunze

Jannis Kounellis zählt zu den wichtigsten Vertretern der Arte Povera und wurde für seine monumentalen Rauminstallationen berühmt, die er seit über 50 Jahren entwirft.

Im Magdeburger Kunstmuseum hat er für die vier Flügel des Kreuzganges des romanischen Gebäudes eine riesige Sinfonie aus großen leinwandüberzogenen Stahlplatten arrangiert.

Ausgehend von kollektiven Erinnerungsbildern der europäischen Kultur entsteht aus vielen Details und Sequenzen ein Kosmos, eine ganz eigene Komposition der Welt. Die vier jeweils 30 m langen Wände der Kreuzgangflügel repräsentieren vier Teile eines Ganzen, vier Temperamente, vier Lebensalter.  

Neben den bekannten Materialien seines Werkes, Feuer, Kohle, Stahl und Mantel, wird nun ein neues, seit 2010 entstandenes Thema zum Ausgangspunkt der Installation: die Malerei. In Teer getränkte Mäntel nutzt Kounellis als Pinsel für die großformatigen Teerbilder. Zwischen kompakten Flächen und leichten Kompositionen der teergeschwärzten Formen auf den Leinwänden entsteht eine Vielzahl an Variationen eines Themas, das letztlich um die für ihn alles bestimmende Aussage kreist: „Ich bin Maler. Malerei bedeutet Bild des Lebens. Deshalb zählt in der Malerei nicht das handwerkliche, sondern das Leben zählt – der Umgang mit der Architektur, mit dem Raum, mit der Wirklichkeit. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die nur aus Bruchstücken besteht. Ein präzises, wie in Öl gemaltes Weltbild gibt es nicht mehr. Das Drama des Zerfalls der Welt in Fragmente, das ist mein Thema.“ (Kounellis 1996)

Jannis Kounellis gehört zu den prägenden Künstlerpersönlichkeiten der Gegenwart in Europa. Untrennbar verbunden mit ihm ist die Arte Povera.

Der zweisprachige Katalog (deutsch-englisch) enthält Texte von Rudi Fuchs und Roland Mönig zur Werkgruppe der Teerbilder. In Vorbereitung ist ein Begleitheft zur Installation in Magdeburg.

 

Jannis Kounellis, 1936 in Piräus/Griechenland geboren, lebt und arbeitet seit 1956 in Rom. Von 1993 bis 2001 war er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Werke befinden sich in allen bedeutenden Museen der Welt.

Katalog 

 

 

20. Mai - 2. September 2012: Judith Joy Ross - Photographien seit 1982

 

linke Abb.: Judith Joy Ross, ohne Titel, 1996, aus der Reihe 2046, Allentown, Pennsylvania, courtesy Pace/MacGill Gallery, New York; rechte Abb.: Judith Joy Ross, Kirchgängerin nach der Messe, 2004, aus der Reihe Freeland, Pennsylvania, courtesy Pace/MacGill Gallery, New York 

 

Judith Joy Ross (* 1946) gehört zu den bekanntesten Fotografinnen der Gegenwart. Im Kunstmuseum Magdeburg war sie bisher mit Werken aus zwei ihrer wichtigsten Serien zu sehen: 2007 in der Ausstellung „Second View - Amerikanische Fotografie" mit Portraits at the Vietnam Veterans Memorial, aufgenommen 1983/1984 in Washington D.C.; 2008 in der Ausstellung „Standort Alltag - Everyday Ideologies" mit Protest the War, entstanden 2006/2007. Die allein ihrem Werk gewidmete Schau umfasst jedoch weitaus mehr Arbeiten. Dazu gehören Aufnahmen u.a. aus den Serien Portraits of the U.S. Congress (1986/1987), Baseball (1989 bis 1991), U.S. Army Reserve (1990), Elections (1996 bis 2010), Church People (2005/2006).

Es handelt sich um die bislang umfassendste Ausstellung ihres Schaffens, die neben bekannten Fotografien auch bisher noch nie gezeigte oder veröffentlichte beinhaltet.

In ihren Arbeiten zeigt Judith Joy Ross psychologisch einfühlsame Portraits von Menschen, die das je Individuelle ebenso wie eine weite Spannbreite emotionaler Befindlichkeiten und Physiognomien vor Augen führen: Kinder, aufgenommen in ihrer Freizeit und Schule, Jugendliche auf dem Sprung in die Erwachsenenwelt, Menschen in der Begegnung mit politischen Fragestellungen, Männer und Frauen in ihren Berufen, engagiert im Ehrenamt oder in elterlicher Rolle. Dabei begegnet sie dem Einzelnen mit großer Offenheit und Respekt, sucht sein Bild im Alltag, fern davon, Schönheitsidealen und medialen Klischees nachzueifern. Die Kamera wirkt dabei auf ihre eigene Wahrnehmung wie ein klärender Filter. So versteht sich, dass sie, nach dem Rezept für ihre Aufnahmen befragt, einmal antwortete, dass sie sich weniger als Urheberin der Bilder sähe, denn als Vermittlerin einer gemeinsam erlebten Situation. 
Judith Joy Ross studierte ab 1966 am Moore College of Art in Philadelphia und wechselte 1968 an das Institute of Design, Illinois Institute of Technology in Chicago, wo sie u.a. Kurse bei Aaron Siskind und Arthur Siegel besuchte. 
Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Photographischen Sammlung Stiftung Kultur, Köln.

Katalog 

 

24. Juni - 2. September 2012

SKULPTUR_GEWÄCHSHAUS

Johanna Bartl, Wieland Krause, Olaf Wegewitz

 

SKULPTUR GEWÄCHSHAUS, Kirsche, Foto: Wieland Krause, 2012

 

Die SKULPTUR_GEWÄCHSHAUS besteht aus einem Stahlskelett der 1992 liquidierten Gewächshausanlage in Vockerode. Als Skulptur zu einem Raum erklärt, der nicht mehr menschlicher Einflussnahme unterliegen soll, ist ein Symbol für Respekt gegenüber allen Vorgängen natürlichen Wachstums entstanden, die darin seit 2005 unbehelligt stattfinden. 

Die Künstler, Johanna Bartl (geb. 1956, lebt in Dessau), Wieland Krause (geb. 1956, lebt in Halle) und Olaf Wegewitz (geb. 1949, lebt in Huy Neinstedt), haben sich nicht nur mit der Idee dieses Kunstwerkes seit dem Abriss der Anlage beschäftigt, sondern ebenso ihre unterschiedlichen künstlerischen Überlegungen zu dieser Skulptur dokumentiert.  

 

21. Feburar - 6. Mai 2012: INNER MOTION

verlängert bis zum 10. Juni 2012

Ausstellung in der MedienLounge, Videos von Nan Hoover, Björn Melhus und Yehudit Sasportas

 

Yehudit Sasportas, The Lightworkers, 2010, Video, Standbild, courtesy Galerie EIGEN + ART, Leipzig / Berlin

 

Den persönlichen Stil der gezeigten Videos von Nan Hoover, Bjørn Melhus und Yehudit Sasportas verbindet, dass sie aus der Stille der Dunkelheit ins Bild dringen. Subtile Bewegungsverläufe spielen sich auf einer Membran zwischen Außenwelt und Innerlichkeit ab, suchend, treibend, seufzend und in einer Unmittelbarkeit, die jede Distanz schwinden lässt. 
Die amerikanische Künstlerin Nan Hoover (1931-2008) siedelte 1969 nach Amsterdam über und wurde zu einer Wegbereiterin der Videokunst in Europa. Aus der Kunst der Performance hervorgegangen, untersuchen ihre frühen Videos die Beziehung zwischen Körper und Licht. So steht am Anfang des Mediums Video die Frage der Selbsterkundung mit der Kamera, gleichzeitig aber verleitet die Technik elektronischer Bilder und Klänge zum visionären Experiment und zu ungeahnten Ausflügen ins Grenzenlose.
Mit dem deutschen Videokünstler Bjørn Melhus (geb. 1966) und der israelischen Künstlerin Yehudit Sasportas (geb. 1969) sind zwei wichtige Akteure aus der aktuellen Szene der internationalen Videokunst vertreten. In ihren Arbeiten zeigt sich, dass das elektronische Bildmedium heute zunehmend einer kritischen Selbstreflexion unterzogen wird. „Emotion Field“ von Bjørn Melhus nutzt die Suggestion farbigen Lichts auf Monitoren, gekoppelt an eine Toncollage aus Hollywood-Trickfilmen, um in den individuellen Erinnerungen jedes Betrachters die gespeicherten Bilder der Filmindustrie aufzustöbern. „The Lightworkers“ von Yehudit Sasportas entführt den Betrachter in eine Paradies- oder Endzeitsituation. Deren allmähliche Wandlungen scheinen, von unbekannter Hand gesteuert, bereits in einem Schwebezustand zu existieren, der einer künstlichen, immer perfekter werdenden medialen Realität entspricht, deren Quellen verborgen bleiben.
 

 

21. Februar - 6. Mai 2012: DIE GESCHICHTEN DER CHRISTIANE MÖBUS 

Großer Saal, Blick in die Ausstellung, Foto: Hans-Wulf Kunze

 

Nachdem Christiane Möbus 1971 genügend Federn von Flugenten und anderen Vögeln zusammen hat, wagt sie leichtsinnig den Absprung in die Wolken und verschreibt ihr Leben der Kunst. Sie dokumentiert den Flugverlauf fotografisch und deutet ihn als „das unnötige Verlöbnis der Frau Holle mit dem Schamanen“. Der praktizierte Gedankenflug wird zum Initial, sich fortan der Leichtigkeit von Eingebungen anzuvertrauen und die Gesetze der Schwerkraft zu unterlaufen. Mitgerissen vom internationalen Avantgardismus der Kunst jener Jahre, untersucht Christiane Möbus in ihren frühen Werken die Bildkraft einfachster Gegenstände und Handlungen. Den leichten Sinn hat sie sich bewahren können.
Die Geschichten der Christiane Möbus entwickeln sich sowohl von den Wegrändern des Alltags als auch aus präzisen Entscheidungen. Ihre Werke setzen sich aus Worten, Fundsachen und gebauten Objekten zusammen, in einer Mischung von Künstlichkeit und Wirklichkeit, die, mal im launischen Plauderton verfasst, mal verwegen akrobatisch, jedoch immer aus genauer Beobachtung, zueinander finden und die sich, aneinander gereiht, wie die Seiten eines Tagebuchs lesen. Ihre Werke besitzen eine Sprache, welche die Regeln des Begrifflichen sprengt und in poetische Bilder verlegt. Das sind Bilder persönlicher Erinnerungen, Alltagsvisionen, Rollenspiele, intuitiv verdichtete Konstruktionen mit Raum für Fantasie. Nach wie vor allen Formalismen und Regeln misstrauend, kennt ihr bemerkenswert eigenständiges Werk keine formale Logik und siedelt sich zwischen den begrifflichen Kategorien Skulptur, Objekt oder Installation an.
Die Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick auf vier Jahrzehnte eines besonderen Künstlerlebens.

Christiane Möbus hat seit vielen Jahren eine Professur an der Universität der Künste, Berlin.
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