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FLASH BACK - Aus der Sammlung Medienkunst
Annika Kahrs, Strings
Video, 2010, 8,20 Min.

6. September - 4. November 2013

 

Annika Kahrs, Strings, 2010, Standbild

 

Annika Kahrs (geb. 1984, lebt in Hamburg) greift in ihrer Videoarbeit Strings, die sie mehrfach als Performance reinszeniert hat, festgelegt Strukturen auf und schafft einen Kontekt, der klare Ordnungen auflöst und zu etwas Neuem wendet. Vier Kammermusiker interpretieren das Streichquartett opus 18, Nr. 4 C-Moll von Ludwig van Beethoven. Die anfängliche Harmonie findet bald ein Ende, denn nach jedem Satz tauschen die Musiker Platz und Instrument mit dem rechten Nchbarn, bis jeder einmal an jedem Platz gesessen hat. Obwohl die Musiker sich tapfer der Aufgabe stellen, nehmen mit dem Weiterrücken die Verunsicherung und die Dissonanz zu, was nicht nur bei den Musikern Heiterkeit auslöst. Exemplarisch wird hier gezeigt, wie durch eine minimale Verschiebung Strukturen aufgehoben werden können und ein Wandlungsprozess einsetzt, der die Akteure zwingt, nach neuen Strategien zu suchen.

 

 

7. Juli - 8. September 2013 

Malerei - Aktion – Konzept. Die Sammlung Kienzle, Berlin

 

Jack Goldstein, o.T., 1982, Acryl auf Leinwand

 

Wohin geht die Malerei? Kunst entsteht immer aus Fragen. Suchten Künstler zu Anfang des 20. Jahrhunderts nach neuen Wegen in der Malerei, so stellt sich ein halbes Jahrhundert danach schon die Frage, ob die Malerei noch zu Neuem fähig ist und ob nicht Fotografie, Film und Aktion sie ablösen. 
Die Kunstsammlung Kienzle reflektiert die Vorkriegsmoderne mit einer kleinen Werkgruppe von Namen, die für neue Wege der Kunst stehen, wie Franz Marc, Paul Klee, Kurt Schwitters u.a. Ihren Schwerpunkt hat die Sammlung in der amerikanischen und westdeutschen Kunst ab den 1960er Jahren bis heute. Darunter finden sich Namen, wie David Lamelas, Jack Goldstein, Jonathan Lasker, Gary Stephan, Christopher Williams und wie Emil Schumacher, Franz Erhard Walter, Klaus Merkel, Claudia Kugler oder Bertold Mathes. Im Zentrum der Sammlung Kienzle steht die Malerei. „Der Malerei-Begriff wird jedoch weit gefasst und bietet damit Anknüpfungspunkte zu weiteren Bildtechniken, insbesondere zur Fotografie und zum bewegten Bild. Letztlich geht es bei diesen künstlerischen Positionen fast immer um die Frage, wie ein Bild entsteht und in welchem Verhältnis es zum Betrachter steht.“ (Friedemann Malsch, Direktor des Kunstmuseums Liechtenstein)
Anstelle der gesetzten Namen des Kunstbetriebs baut der Sammler auf den persönlichen Blick und die dabei erworbenen Kenntnisse und Auswahlkriterien.
Seit 2010 zeigt die Kienzle Art Foundation, Berlin, Aspekte der Sammlung, deren seltene Intensität schnell das Renommee des Besonderen erlangen konnte. Im Geflecht gegenseitiger Bezüge zwischen ihren Werken wird deutlich, wie entscheidend der künstlerische Prozess ist, der nach wie vor die künstlerische Suche dokumentiert, wobei die Medien immer nur das Werkzeug sind. Diese erste Museumsausstellung der Kunstsammlung Kienzle gibt einen umfassenden Einblick.

 

 

20. Juni - 8. September 2013

PROSTOR OBLIK.
Kunst aus der Nationalgalerie Bosnien-Herzegowina, Sarajevo

  

Tomislav Dugonjic, Echo, 1974 (li.); Space is not empty, V, 1973 (re.)

 

Junge Künstler aus Sarajevo, damals Jugoslawien, probten in den 1970er Jahren den Aufstand gegen die Tradition. Die Gruppe nannte sich „Prostor Oblik" und wurde dadurch erkennbar, dass ihre Mitstreiter ausschließlich abstrakte Bilder malten. Ihr Aufstand richtete sich gegen die Tradition und das Diktat des Realismus und war von Fragen nach der Zukunft der Kunst infiziert. Nachdem die Abstraktion längst erfunden war und aus Paris und New York, Künstler des Informel, der Minimalart, Opart, Popart usw. immer neue Varianten entwickelten, Farben und Formen frei ins Bildformat zu setzen, begannen Künstler vielerorts auf der Welt daran anzuknüpfen. Sie importierten die Idee, die eigene künstlerische Handschrift aber mussten sie sich erarbeiten. „Prostor Oblik" bedeutet „Raum Form", die Gründungsmitglieder waren Tomislav Dugonjic, Ljubomir Percinlic, Enes Mundžic und Edin Niumankadic, andere schlossen sich an. Ihre erste Ausstellung fand 1975 statt. Als sie 1986 zum letzten Mal unter dem Namen „Prostor Oblik" ausstellten, hatten sie den Anschluss an die internationale Kunst längst hergestellt und Sarajewo ein neues Kapitel seiner Kunstgeschichte aufgeschlagen.
Die Bilder der Ausstellung gehören der 1946 gegründeten Nationalgalerie Bosnien-Herzegowina. Das bedeutende Museum wurde auf finanziellen Gründen im September 2011 vorläufig geschlossen. Das Kunstmuseum Magdeburg zeigt die Ausstellung „Prostor Oblik" in Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, um auf diese ungelöste Situation aufmerksam zu machen.

Künstler: Vojo Dimitrijevic, Tomislav Dugonjic, Bekir Misirlic, Enes Mundžic, Nikola Njiric, Edin Numankadic, Ljubomir Percinlic, Mustafa Skopljak, Radoslav Tadic

 

Die Nationalgalerie besuchen: http://ugbih.ba/

 

 

 

Aus der Sammlung Medienkunst ist gegenwärtig in der Reihe FLASH BACK

der Film "After the Crash" von Hito Steyerl" (2009) in der Medienlounge zu sehen.

 
Hito Steyerl, After the Crash, 2009, Standbilder

Als das Video 2009 entstand, war die Wirtschaft von der dramatischen Finanzkrise geprägt. In der Arbeit von Hito Steyerl ist dies aber nur einer der Hintergründe. In der kalifornischen Wüste lässt sie den Betreiber eines Schrottplatzes für Flugzeuge zu Wort kommen, nach dessen Ansicht es in der Witschaft nicht real zugehe, denn gerade in Krisenzeiten würde sein Geschäft boomen.

Hito Steyerl spannt in ihrem Video den Bogen der Betrachtungen weit. Sie verknüpft verschiedene Filmaufnahmen aus Spielfilmen, Dokumentationen, Werbung, Information und Unterhaltung. Fiktion und Realität lösen sich darin auf, gehen ineinander über und schaffen zugleich eine Form medialer Wirklichkeit. Ruhender Pol in der Ästhetik des Werbeclips ist der Schrotthändler. Seine Ware verwandelt sich jedoch andernorts, wie in China, wieder in neue Produkte, die den medialen Zyklus voran treiben. Die Atmosphäre des Films wird aber nicht nur durch die Bilder und Szenen bestimmt, sondern wesentlich auch durch die Musik.

Hito Steyerl ist Filmemacherin und Medientheoretikerin. In ihren Videos untersucht sie die Frage der Möglichkeiten des Filmischen im Hinblick auf eine Wirklichkeitserfahrung, die sich aus Konventionen löst und in eine Welt des Ungefähren hinein bewegt, in der sich widersprechende Wahrheiten nebeneinander existieren und wo nicht Genauigkeit, sondern Emotionalität die Glaubwürdigkeit begründet.

 

 

INVISIBLE von Kassandra Wellendorf in der Medienlounge

 

Kassandra Wellendorf, INVISIBLE, 12 Min., 2004, Standbilder

Kassandra Wellendorf (geb. 1965, lebt in Kopenhagen) spürt in ihren Videos mit hoher visueller Sensibilität und Poesie dem Zusammentreffen von Privatem und Öffentlichem nach. Für den Film INVISIBLE hat sie 20 Tage die Menschen an der zentralen Bushaltestelle in Kopenhagen mit der Kamera beobachtet. Die dabei eingefangene Fülle und Vielfalt der Gesten und Gefühle ist beeindruckend. Langeweile und Neugier gehören dazu, aber auch Liebe oder 'routiniertes Warten'. Der öffentliche Raum wird dadurch plötzlich intim und privat. Die Menschen scheinen einer verborgenen Choreografie zu folgen. Ihr Warten löst sie aus der Eile und Unrast der Stadt und der Geschäftigkeit des Alltags. Das Zur-Ruhe-Kommen ist erzwungen, die Reaktionen darauf sind jedoch spontan und verraten etwas über den jeweiligen Menschen. Die Atmosphäre des Films wird aber nicht nur durch die Bilder und Szenen bestimmt, sondern wesentlich auch durch die Musik.

 

 

 

26. März - 23. Juni 2013
Koji Kamoji

durch den Garten – along garden path 

 

   

Impressionen der Ausstellung, Foto: Hans-Wulf Kunze (1), Kunstmuseum (2)

 „Konzentration, innere Ruhe und der Wunsch zu hören“ sind erforderlich, um seine Werke zu betrachten, sagte Koji Kamoji 2003 über seine Arbeiten.

1935 in Tokio geboren, geht Koji Kamoji nach dem Studium der Kunst in seiner Heimatstadt 1959 nach Warschau, um an der dortigen Akademie der Schönen Künste erneut zu studieren. Der kulturelle Hintergrund seiner japanischen Herkunft und die persönliche Auseinandersetzung mit der künstlerischen Avantgarde der 1960er Jahre in Polen sind bis heute in seinen Werken spürbar. In ihnen begegnen sich die klassisch antike Tradition von der Bedeutung, Symbolik und Metapher aller Dinge und der Lehre des Zen-Buddhismus, die in der Sammlung des Geistes alle dualistischen Unterscheidungen (Ich und Du), (Subjekt und Objekt), (wahr und falsch) aufhebt.

Bis ins Detail achtet Koji Kamoji bei der Erstellung seiner Werke auf die angemessene Symbiose zwischen Material und Konzept.
Einfühlsam und vorsichtig entwickelte er über fünf Jahrzehnte hinweg einen Katalog von bevorzugten Motiven und Themen zu einem sehr persönlichen Stil. Einfache Zeichen-Symbole, wie Linie und Reihe, ein Punkt, ein Kreis, Dinge des täglichen Lebens und Elemente der Natur (Stein, Wasser) dienen ihm als Werkzeug beim Nachdenken über den Raum und unsere Beziehung zu und in ihm.

Koji Kamoji, in Polen als Künstler sehr bekannt, gehört seit den 1960er Jahren zum Kreis um die legendäre Galerie Foksal. Er stellte unter anderem mit Edward Krasinski, Henryk Stazewski und Tadeusz Kantor aus.

Mit dieser Ausstellung wird erstmals sein Lebenswerk auch in Deutschland umfassend vorgestellt. Die Spanne der hier gezeigten Arbeiten reicht von den Bildern „The Temple Wall“ aus den 1960er Jahren, über „Flagstone“ und „Draught“ aus den 70er Jahren über die Installationen der 1980er und 90er Jahre, wie „Martwa Natura“ und „Summer Garden“ bis in die jüngste Gegenwart, die sich durchaus auch ganz aktuellen Themen zuwendet.


Katalog

 

 

 

28. Februar - 26. Mai 2013

Pepa Hristova
Sworn Virgins
Fotografien

 

 
Pepa Hristova, Quamile (li.) / Drande (re.), aus der Reihe "Sworn Virgins", 2008/2010, Fotografie 

In den Bergen Nordalbaniens gilt die aus dem Mittelalter stammende Gesetzessammlung „Kanun“. Danach können Familien, die Vater und Sohn verloren haben, eine Tochter zum Familienoberhaupt bestimmen. Diese Mädchen müssen Jungfrauen bleiben und wechseln konsequent in die Rolle von Männern. Als Erwachsene werden diese Burrneshas (Sworn Virgins) hoch geachtet und haben in der Familie großen Einfluss.  

In den Porträts der Burrneshas verbinden sich Beobachtung und Inszenierung. Offenkundig entstanden die Bilder in heimischer Umgebung. Neben den Außenaufnahmen gelang es, viele Burrneshas auch zu Innenaufnahmen zu bewegen, was den Abstand in der Situation verkürzt und den Möglichkeiten der Bildgestaltung fast Studiocharakter verleiht.  

Pepa Hristova geht es um fotografische Bilder, nicht um dokumentarische oder ethnologische Auskünfte. Die Aufnahmen zeigen die Burrneshas im Bildrahmen der Landschaft oder Wohnung, in denen sich ihr Leben abspielt. Diesem Rahmen bleiben kleine Bildgeschichten vorbehalten, beispielsweise den Interieurs, ihrem auffällig sauberen und geordneten Zustand, den Blumenvasen und Kuscheltieren, den Landschaftsbildern an der Wand.

Die zur Fotoserie gehörenden Landschaftsaufnahmen zeichnen sich durch eine ebenso klare, sensible Bilddramaturgie aus. Sie zeigen tief gestaffelte Räume einer Naturlandschaft. Diese Aufnahmen weisen eine betont ausgewogene, mehrfach sogar symmetrische Bildkomposition auf, welche den Gesamtaufbau der Bilder klärt und der Natur dieser Region den Charakter des Erhabenen und Dauerhaften als grundlegendes Ordnungsmuster unterlegt. Licht und Schatten sind bewusst als atmosphärisches Phänomen aufgegriffen, die die Stimmungslage dieser Bergwelt augenblicklich verwandeln können.

 

 

Pia Maria Martin 

BACK FROM THE BACK BURNER
Kurzfilme

20. November 2012 – 24. März 2013

 

Pia Maria Martin, oben: Go; unten: Vivace 2, Standbilder

Immer wieder gelingt es Pia Maria Martin (*1974 in Altdorf) den Moment zu erwischen, wo sich die Dinge unbeobachtet fühlen und alles seinen Lauf nimmt. Türen, Rohrleitungen, Treppengeländer, ein bereits verzehrtes Huhn, ein paar Fische auf dem Teller, alles beginnt zu leben und es entwickelt sich eine Erzählung, nur dürfen wir nicht eingreifen, denn sofort würde der Zauber zu Ende sein. Solange aber bleibt alles möglich, verwickelte Gedankenspiele im Licht der Projektion, die alles vor der Filmkamera einbeziehen, was sich anbietet. Unsere Realität kippt aus den Gewohnheiten und Sinn kann sich im Hintersinn ausleben. Die Ausstellung zeigt eine Reihe von Kurzfilmen der in Stuttgart lebenden Künstlerin, entstanden in der heute nur noch selten genutzten 16-mm-Technik.

 

 

 

16. Oktober 2012 - 17. Februar 2013
HEUTE. MALEREI

     

Alicia Paz; Peter Halley; Gerhard Richter; Sarah McGinity; Jonathan Lasker

 

Künstler: Gerhard Richter, *1932 in Dresden; Jonathan Lasker, *1948 in Jersey City, USA; Peter Halley, *1953 in New York; Adrian Schiess, *1959 in Zürich; Neo Rauch, *1960 in Leipzig; Daniel Richter, *1962 in Lütjenburg; Fabian Marcaccio, *1963 in Rosario de Santa Fé, Argentinien; Alicia Paz, *1967 in Mexico City; Sarah McGinity, *1974 in Australien; Rashid Johnson, *1977 in Chicago

 

Noch vor wenigen Jahren für nicht mehr zeitgemäß erklärt, hat die Malerei heute wieder an Bedeutung gewonnen und die alten Vorbehalte sind fast vergessen. Die Ausstellung HEUTE. MALEREI sucht einen Querschnitt der Betrachtung der Malerei im Zuge ihrer wieder gewonnenen Aufmerksamkeit. Welcher Ausdruck und welche Methoden charakterisieren sie aktuell? Die Ausstellung zeigt Positionen, die im Bildlichen der Bildwerdung nachgehen, ohne sich dabei speziellen Tendenzen, Schulen oder Generationen zu verpflichten. Alle Künstler der Ausstellung zeichnet es aus, dass sie stets an der Malerei festgehalten haben.

Kein anderes Medium der Kunst ist so alt, wie die Malerei. Kein anderes Medium vollzieht sich so entfernt von der realen Welt und ist in ihren Möglichkeiten so vollständig frei, wie die Malerei. Bedeutet das vielleicht, das Malerei dem Menschen besonders nahe kommen kann? Gefragt wird nach dem Vorgang der Malerei als Untersuchungsfeld, welches der widersprüchlichen, unabänderlichen und komplexen Beziehung Mensch-Welt aktuell eine Entsprechung gibt. Die Fragen berühren z.B. die Beziehungen von Farbton und Farbgestus, Bildfläche und Bildraum, Illusion und Realität, Konzeption und Autor. Malerei schafft ihre eigenen Gegenstände, ihren eigenen Raum, ihre Illusion, ihre Sinnlichkeit und ihre Emotionen, und all das beruht auf Individualität. Die Malerei der Gegenwart bezeugt parallel eine bemerkenswerte Vielfalt an Ideen und Ausdruck. Gezeigt wird eine Auswahl von renommierten internationalen Positionen, weniger zum Vergleich als zur Veranschaulichung des jeweils Eigenen und Besonderen. Exemplarisch wird sich zeigen, was Malerei in die heutige Zeit der Dominanz medialer Bilder einbringt und sicherlich auch, was die Malerei aktuell als Reflex auf die Medien hinzugewinnt.

 

Die Eröffnung der Ausstellung HEUTE. MALEREI fand in Gegenwart hunderter Gäste statt.


Weitere Impressionen der Veranstaltung finden Sie in der Rubrik Museum / Aktuelles

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