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Max Uhlig – Vor der Natur gewachsen

Malerei und Zeichnung | Retrospektive

1. Juli - 26. Oktober 2014

 

Max Uhlig, Baumreihe über Katharinenberg, 1990, Öl auf Leinwand, 80 x 200 cm, Foto: Hans-Wulf Kunze

 

„Für mich wird eine Sache interessant, wenn sie durch langes Anschauen fremd wird.“ Max Uhlig (geb. 1937 in Dresden, lebt in Dresden) ist seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit vor über 55 Jahren bis heute auf der Suche. Er will das Unerhörte, das noch nie Gesehene aufspüren, es im Bild festhalten, extrahieren, herausschälen. Still, hochkonzentriert beobachtet er den Menschen, die Bergformation, den einzelnen Baum, die Wolke.

Früh wendet sich der gelernte Schriftzeichner durch sein Studium der Freien Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden gegen die etablierte Malerei.  Mit seinen unverwechselbaren malerischen, zeichnerischen und druckgrafischen Arbeiten entwickelt sich Max Uhligs Werk zu den hervorstechenden Positionen in der deutschen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Fasziniert von der Bildhauerei, ist es die Form, die ihn beeindruckt. Die energetischen Porträts, figurenreichen Straßenszenen und dynamischen Landschaftsbilder sind beherrscht von den körperlich-räumlichen Beziehungen: Figuren und Formationen entstehen von innen heraus, vom Zentrum ausgehend erobern sie den Bildraum.

Fest verankert im Gedächtnis des Künstlers sind die Orte, an denen Hunderte von Aquarellen, Zeichnungen und Gemälden entstanden.  Auf den Dresdner Elbwiesen, im mecklenburgischen Krukow bei Penzlin, in Deutschneudorf im Erzgebirge, in der südfranzösischen Provence entdeckt Uhlig jene Natur, die ihn das Gleichgewicht finden lässt zwischen dem Niederschreiben gekreuzter Linien und der tief empfundenen Lust am Gestaltgeben.

Intensive Naturwahrnehmung ist in Max Uhligs Werk von Beginn an zentral: „Vor der Natur gewachsen“, im Freien teilweise auf riesigen Leinwänden entstanden, verdichten sich die Gemälde zu Kompositionen aus Linien in alles negierendem Schwarz und leuchtenden Farbschichten. Man meint, die Wucht des peitschenden Pinsels zu spüren, die Ekstase und Explosion im Schaffensprozess.



Nachdem sein druckgrafisches Werk 2012 in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden präsentiert wurde, ist es vor allem sein umfangreiches malerisches und zeichnerisches Werk – in Gestalt großformatiger, farbglühender Ölgemälde und kleinerer, leichterer Aquarelle sowie zahlreicher Tuschezeichnungen –, das im Zentrum der Ausstellung steht. Erstmals wird hierfür der Versuch unternommen, das gesamte Werk des Künstlers umfassend aufzuarbeiten. Zudem präsentiert die Ausstellung die ersten fertigen Fensterelemente für die Südseite der Johanniskirche zu Magdeburg und gibt so einen ersten Eindruck des jüngsten und größten Werks Max Uhligs.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.


Weitere Informationen zum Fensterprojekt und zur Spendenaktion:

http://kuratoriumjohanniskirche.wordpress.com/

 

 

 

 

Ursula Wevers – Die Elbe vor der Nordsee

Video

8. Juli - 21. September 2014

 

Ursula Wevers, Die Elbe vor der Nordsee, 2001, Video, Stills

 

Flusslauf, Regen, Schiffsbewegungen und ab und zu Möwenflug, nichts von dem, was man in diesem Video sehen kann, verharrt, alles verbindet sich in einer Art Schwebezustand, in dem sich die sichtbaren Elemente kaum trennen wollen. Ursula Wevers hat sich mit der Kamera in den Gang der Dinge gestellt. Die normale Fähigkeit einer Filmkamera den Zeitlauf aufzeichnend mitzuverfolgen, trifft auf die Wasser überströmte Unvorhersehbarkeit der Szenerie, doch obwohl so total vom nasskalten Wetter bestimmt, wirkt die Situation eigenartig besänftigt. Liegt es am Unabänderlichen des Wetters oder ist es die aufmerksame Geduld der Kamera, die sich davon nicht beeindrucken lässt, die uns zum Mitbeobachter des Naturschauspiels der Elbmündung macht? 

Intuition und Erfahrung sprechen aus den dokumentarischen Mitteln der Videoarbeit, die abgesehen von wenigen Schnitten in Realzeit abläuft. Ursula Wevers sagt, dass sich diese Arbeit einfach aus der Situation ergab. Doch erweisen sich der Verzicht auf ein Stativ oder die Akzeptanz der Autoscheibe als wichtige Entscheidungen, um später die Ereignisse in die Augen des Betrachters zu verlegen und um Regen und Kälte nah und fühlbar zu machen. Sie verstärken die atmosphärische Ambivalenz zwischen Tristesse und Hingabe, die sich unwillkürlich mitteilt und die all dem austauschbaren Grau vor der Kamera die natürliche Symbolik dieses Ortes gegenüberstellt.

 

Die Elbe vor der Nordsee lässt den Bogen zurückverfolgen in das Jahr 1969, als Gerry Schum und Ursula Wevers mit dem ersten Filmprojekt der Fernsehgalerie unter dem Begriff Land Art einer neuen Kunsthaltung zum Durchbruch verhelfen. Die Elbe vor der Nordsee zeigt genau das, was die Kamera der Künstlerin während einer knappen halben Stunde an diesem Ort aufnehmen konnte. Kaum scheint es möglich, sich mit filmischen Mitteln näher in die Natur zu begeben. 

 

 

 

 

Beflügelnde Videokunst in der KULTURNACHT


Am 13.9.2014 begeben sich über 30 Magdeburger Kultureinrichtungen und Vereine mit hoffentlich vielen Passagieren auf einen ganz besonderen Nachtflug: Unter dem Motto "Fliegen lernen" setzt die erste Magdeburger Kulturnacht nach der Eröffnung um 17 Uhr an der Sternbrücke an zahlreichen Orten von 18 bis 23 Uhr zur Landung an! 
Auch das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg begibt sich mit folgendem Bord-Programm mit auf den Jungfernflug und stellt exklusiv nur in dieser Nacht Videokunst folgender Künstler aus:

JOHN SMITH Om

PIA MARIA MARTIN XI

MAIX MAYER Alphaville-MD

OLAF WEGEWITZ Den Fliegen 

PER OLE SCHMIDT Mit Yoko Ono als Idee unter der Autobahn

GABI RETS  Behälter, Augen auf!, Hut ab, Durchzug

Mit teils noch nie öffentlich präsentierten Werken - u.a. mit der Premiere von Olaf Wegewitz' "Den Fliegen" (Kurzfilm, der die kaum beachteten Minierfliegen als faszinierende Grafiker erscheinen lässt) - wünschen wir eine kulturell beflügelnde Nacht!


 Pia Maria Martin, Still aus XI


 

 

Eléonore de Montesquiou

Die Pendlerinnen

Video

17. April - 29. Juni 2014

 

Eléonore de Montesquiou, Die Pendlerinnen, Video, Farbe, 30 Min., 2005-2007, Stills 

 

„...jetzt lebe ich zu 70% in Deutschland, zu 30 % in Polen, ohne Geld ist kein Leben, ohne Liebe auch nicht, aber ohne Geld... ich habe zwei Leben, in Polen und hier, aber ich vermisse Polen, das ist mein Heimatland, dort muss ich mich irgendwie nicht rechtfertigen, ich bin einfach bei mir zuhause...“

Emilia und Joanna leben in Polen und arbeiten in Deutschland. Die französische Filmkünstlerin Eléonore de Montesquiou (geb. 1970 in Paris, lebt in Berlin) schildert den Alltag der beiden jungen Frauen aus Poznan. In sensiblen Beobachtungen dokumentiert sie eine Lebenswirklichkeit in Deutschland, die nicht gesehen und nicht registriert wird, obwohl sie zu den Gegebenheiten unserer Zeit gehört. Interviews mit den beiden Polinnen ziehen den Zuschauer der Filme durch ihre ungewöhnliche Nähe ins Vertrauen, sie berichten über Lebensabläufe, die jeweils nebeneinander existierende Identitäten notwendig machen.

Das aus West und Ost schnell zusammenwachsende Europa und der zunehmende Wegfall nationaler und regionaler Souveränitäten in Politik und Wirtschaft halten für den damit verbundenen kulturellen Wandel oftmals nur subventionierte Großveranstaltungen bereit. Alte und neue kulturelle Traditionen und Lebensgewohnheiten verbleiben im toten Winkel öffentlicher Wahrnehmung, soweit sie sich nicht folkloristisch-touristisch kommerzialisieren lassen.

Eléonore de Montesquiou zeigt die selten thematisierte Wirklichkeit ihrer eigenen Generation, für die der Wandel und ein Leben im Transit zur Normalität gehören.

 

 

 

Olaf Wegewitz – Geradewegs. Zu Fuß auf dem 11. Längengrad durch Deutschland

Malerei, Texte, Fotos und Zeichnungen, 2009/2013 
4. März - 9. Juni 2014 


Olaf Wegewitz, Geradewegs. Zu Fuß durch Deutschland, 100 m Rollbild Kasein auf Leinwand, 2011-13 © Hans-Wulf Kunze


Manche Entschlüsse brauchen die spontane Idee und danach eine gründliche Vorbereitung. Als Olaf Wegewitz (geb. 1949 in Schönebeck, lebt in Huy-Neinstedt) gemeinsam mit seinem erwachsenen Sohn im Juli 2009 aufbrach, um Deutschland von Norden nach Süden zu durchwandern, musste sich diese Idee über viele Wochen täglich auf den Strecken von bis über 50 Kilometern beweisen und wurde zur Lebenserfahrung. Von Fehmarn, an der Küste, gelangten die beiden über den Sommer tatsächlich bis zur Zugspitze.

Olaf Wegewitz, bekannt durch seine wundervoll sinnreichen, handgefertigten Künstlerbücher und beidseitig gestalteten farbigen Zeichnungen, entschied sich nach dieser Reise, zur Malerei zurück zu kehren und die noch wachen Eindrücke auf einem Bild von 100 Metern Länge festzuhalten. Dafür entstand ein Holzgestell mit zwei übereinander liegenden Rollen. Während der drei Jahre dauernden Entstehung des Gemäldes wurde es von der oberen auf die untere Rolle gewickelt, wobei immer nur ein Abschnitt von ca. 3 Metern Leinwand sichtbar war. Die Entstehung des Bildes folgt der Wanderung. Nie lässt sich die gesamte Strecke überblicken, immer reicht der Blick nur bis zum Horizont.

Die Ausstellung zeigt dieses besondere Gemälde und zahlreiche Zeichnungen, Fotografien, Notizen zum Reiseweg von 1.340 Kilometern Länge, in 35 Tagen, entlang der Natur und Zivilisation von Olaf und Lienhard Wegewitz.


Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch.

 

 

Lothar Wolleh
Künstlerportraits der sechziger und siebziger Jahre

Fotografien

27. März - 9. Juni 2014 

 

Lothar Wolleh, Niki de Saint Phalle, 1970 © Oliver Wolleh

Lothar Wolleh, Günther Uecker in seiner Ecke, 1968 © Oliver Wolleh

 

Auf Anregung seines Freundes, des deutschen Malers und Objektkünstlers Günther Uecker, begann Wolleh ab 1967 systematisch insgesamt über einhundert international bekannte Maler, Bildhauer und Aktionskünstler zu porträtieren. Jeder Aufnahme ging eine tiefe emotionale Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Künstler und dessen Werk voraus, sodass die Bildkomposition nicht dem Augenblick entsprungen ist. Formal verbindend sind der stark grafische Bildaufbau, das quadratische Format und der integrierte schwarze Rand. 1970 fotografierte Wolleh die Aktion Filz-TV von Joseph Beuys, die von Gerry Schum filmisch dokumentiert wurde. Weitere Projekte waren 1971 Aufnahmen, die Beuys beim Aufbau seiner Ausstellung im Moderna Museet in Stockholm zeigen sowie das im gleichen Jahr in Zusammenarbeit mit dem Künstler entwickelte und 1973 erschienene "Unterwasserbuch".  
Das Kunstmuseum zeigt eine Auswahl der Künstlerporträts. Die Ausstellung findet in Kooperation mit dem Roncalli-Haus, Magdeburg, statt. Dort sind weitere Arbeiten von Lothar Wolleh zu sehen, die 1962-1965 in Verbindung mit dem 2. Vatikanischen Konzil entstanden sind.

Lothar Wolleh 1946 bis 1948 Studium Elementarlehre und gegenständliche Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Berlin-Weißensee; 1950 bis 1956 Gefangenschaft im Straflager Workuta, UdSSR; 1956 bis 1957 Ausbildung im Lette-Verein, Berlin; 1959 bis 1961 Studium an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen, anschließend freier Werbfotograf in Düsseldorf; ab Ende der sechziger Jahre bestimmen die Künstlerporträts und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Künstlern seine Arbeit

 

 

Fokus Junge Kunst

Eine Ausstellungsreihe der Jürgen Ponto-Stiftung zur Förderung junger Künstler

 

2014: Magdeburg / Sachsen-Anhalt

Laura Bielau . Johannes Nagel . Ginan Seidl

5. April - 1. Juni 2014

 

Laura Bielau, Labor, 2007, Barytabzug, Foto: Laura Bielau

Johannes Nagel, (Aus)Grabungen, 2008, Foto: Klaus Göltz

Ginan Seidel, Subconscious Areas, 2013, Videoinstallation, Foto: Ray Peter Maletzki


Die Ausstellungsreihe der Jürgen Ponto-Stiftung zur Förderung junger Künstler präsentiert 2014 drei künstlerische Ausnahmetalente aus Sachsen-Anhalt im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg:

 

Laura Bielau (geb. 1981 in Halle/Saale, lebt in Berlin)

Die Fotografin erzeugt in ihren fotografischen Serien, die im Habitus des Dokumentarischen daher kommen, komplexe intertextuelle und interpikturale Bezüge zur Kunst- und Fotografiegeschichte, die ihre Verweiskraft erst in der Interaktion mit dem Wissen des Betrachters entfalten können. Subtil wird das Beziehungsgeflecht zwischen Fotografin, Motiv und Betrachter hinterfragt.

Johannes Nagel (geb. 1979 in Jena, lebt in Halle/Saale)

Der Keramiker bildet Skulpturen, die ihr eigenes Medium reflektieren: der arbeitsteilige Prozess der Formwerdung, konventionell mit dem Ziel eines formschönen Designproduktes verbunden, wird zugunsten einer Hervorhebung des Spontanen und Prozesshaften überwunden. Vormals zielführende Herstellungsprozesse verwandeln sich in ontologische Form- und Materialexperimente.

Ginan Seidl (geb. 1984 in Berlin, lebt in Halle/Saale)

Die Medienkünstlerin montiert in mehrkanaligen Videoinstallationen poetische Bilderlandschaften, Alltagsgeräusche und Erzählungen zu assoziativen Gefügen, in denen imaginierte Orte –  der Erinnerung, des Traums, der Sehnsucht oder der Fantasie – vom Betrachter zusammengefügt werden müssen. Subjektivität und Veränderlichkeit von Erinnerung wird in den Installationen erfahrbar.

 

Mit der Ausstellungsreihe „Fokus Junge Kunst“ wird der künstlerische Nachwuchs unter 35 Jahren in den Regionen gezielt unterstützt und damit auch die regionale Kunstszene gestärkt. In den vorangegangenen Jahren standen die Regionen Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern im Mittelpunkt des Interesses.

 

Zur Ausstellung ist ein dreiteiliger Katalog erschienen.

 

 

Matthias Hoch – Silver Tower
Farbfotografien, 2010/2011
21. Januar - 23. März 2014 

 

Blick in die Ausstellung MATTHIAS HOCH. Silver Tower Frankfurt/Main © Matthias Hoch 


Kein anderes Bildmedium ist wie Fotografie prädestiniert, festzuhalten „was ist“, um sichtbar zu machen, wie die Zeit alles verändert. Matthias Hoch 
(geb. 1958 in Radebeul, lebt in Leipzig) kann als Chronist gelten. Seine Bilder offenbaren die Strukturen sozialer Räume und verdeutlichen damit das Verhältnis der Menschen zu ihrer selbst geschaffenen Umgebung.

Als das Dresdner-Bank-Hochhaus 1978 in Frankfurt am Main eingeweiht wurde, galt es mit seiner silbernen Aluminiumfassade und den abgerundeten Ecken als Inbegriff der Moderne. Es war damals das höchste Gebäude Deutschlands. In den 32 Etagen waren rund 2.200 Beschäftigte tätig. Nach der Übernahme durch die Commerzbank im Jahr 2009 wurde die Zentrale der Dresdner Bank nicht mehr benötigt, das Gebäude wurde geräumt. 

Der Bildzyklus von Matthias Hoch entwickelt eine Dramaturgie des Unsichtbaren, indem der Fotograf über das spricht, was „nicht mehr ist“. Die Kamera observiert in den verwaisten Räumen die Spuren ihrer Nutzung. Die Bilder zeigen eine Schwellensituation. Tatsächlich ist es das Ende einer Ära. Das Gebäude wurde inzwischen völlig umgerüstet, die Aura seines ursprünglichen Zustands existiert heute nur in der Erinnerung und im Ausdruck dieser Bilder. Matthias Hoch lässt den Betrachter beispielhaft an der Umwertung einer Vision teilhaben: Die Moderne wird Geschichte.  
Katalog        

Parallel zur Ausstellung in Magdeburg findet in Wolfsburg eine zweite mit Fotografien der Reihe "Silver Tower" statt.  

 

 


Julian Rosefeldt – Meine Heimat ist ein düsteres wolkenverhangenes Land

4-Kanal-Videoprojektion, Farbe, Ton, 2011
25. Januar - 23. März 2014

 

Julian Rosefeldt, Meine Heimat ist ein düsteres wolkenverhangenes Land, Video, 2011, Standbild

 

Julian Rosefeldt (geb. 1965 in München, lebt in Berlin) entwirft eine emotional berührende, filmische Auseinandersetzung mit einem klassischen Genre der Malerei, der Landschaft, und treibt seine surrealen Settings durch fast alle Genres der Filmgeschichte, vom Heimatfilm bis zum Science Fiction. Seine filmischen Choreografien aus Zeit-, Bild- und Raumkombinationen, in denen der Ton stets eine zentrale Rolle einnimmt, greifen kulturgeschichtliche Themen auf und übersetzen sie in die Gegenwart. Der Zwiespalt einer deutschen Befindlichkeit, die ideologische Naturüberhöhung, die Nostalgie, die mit einer kulturell reichen Vergangenheit verbunden ist, und eine mystische Naturerfahrung sind die filmischen Ingredienzien, die sich in einem dialektischen Spiel von Pathos und Tragik, Einsamkeit und Verbundenheit, Sehnsucht und Verlorenheit entfalten.

 

 

 

Frieder Heinze. Zeichen und Wunder
  1. Oktober 2013 - 9. Februar 2014

 

Blick in die Ausstellung, Foto: Hans-Wulf Kunze

 

Großformatige Bildleinwände, zarte Seidenpapiere, Stein, Ton oder Eisenguss: Die Vielfalt der Motive und Techniken kennt kaum Grenzen und doch sind Bilder von Frieder Heinze (geb. 1950 in Leipzig) unverwechselbar und charakteristisch. Er leugnet dabei weder seine Sympathie für paläolithische Felszeichnungen noch für die Alltagskunst verschiedener Kulturen.   

Bereits 1977 gründete Frieder Heinze gemeinsam mit Günter Huniat das Atelier „Mogollon“ im Leipziger Osten. Mit Olaf Wegewitz entstand ab 1982 das in jeder Weise aus der Tradition tretende Objektbuch „unaulutu“. Wegweisend wurde der 1. Leipziger Herbstsalon 1984, gemeinsam mit Lutz Dammbeck, Olaf Wegewitz, Hans-Hendrik Grimmling, Günther Firit und Günter Huniat.
Die Ausstellung im Kunstmuseum Magdeburg ist die erste umfassende Werkschau zu Frieder Heinze, dessen Arbeiten in allen großen Kunstsammlungen im Osten Deutschlands vertreten sind.

 

Der Katalog zur Ausstellung ist im jovis verlag, Berlin, erschienen.
Impressionen von der Eröffnung finden Sie nur einen Klick entfernt - HIER

 

 

 

Edgar Arceneaux. An Arrangement without Tormentors /
Ein Arrangement ohne Peiniger

2003/2004
Video, Zweikanalprojektion, Schwarz-Weiß- Film, 16 mm (übertragen auf DVD), 16 min.

23. November 2013 - 6. Januar 2014

 

Edgar Arceneaux, An Arragement without Tormentors / Ein Arrangement ohne Peiniger, 2003/2004, Blick in die Ausstellung, Foto: Kunstmuseum Magdeburg

 

„I want to dance“ (Ich möchte tanzen) singen Pianistin und Pianist in den zwei Filmen der Installation „An Arrangement without Tormentors“ des kalifornischen Künstlers Edgar Arceneaux. Die Musiker sind jeweils in großen Räumen inmitten des Publikums platziert und singen und spielen dasselbe Stück.  
Die Filme zeigen den amerikanischen Konzeptkünstler Charles Gaines, der das Stück komponiert hat, und die niederländische Pianistin Nora Mulder. Charles Gaines, Edgar Arceneaux’ künstlerischer Mentor, verarbeitet in der Komposition das Lebenstrauma seines Vaters, der aufgrund rassistischer Diskriminierung in den USA der 1930er Jahre keine Möglichkeit hatte, seinen Traum, Tänzer zu werden, zu erfüllen. Während der eine Film die Uraufführung der Komposition 2001 im African American Museum in Los Angeles durch den Komponisten selbst zeigt, zeigt der andere Nora Mulders Vortrag zwei Jahre später im Witte de Whit Museum in Rotterdam.

In der Gegenüberstellung wird deutlich, wie sich der Charakter des Stückes durch die verschiedenen Interpreten verändert. Bei Nora Mulder erscheint der eigentlich tragische Inhalt harmlos und zeitlos schön. Der Titel des Kunstwerks kündigt diese Metamorphose bereits an: Bei der Wiederaufführung wird das Lied zu einem Arrangement ohne Peiniger, ohne schmerzende Erinnerung an vergangenes Unrecht.

Biografie *1972 in Los Angeles, lebt und arbeitet in Los Angeles; 1996 Abschluss als Bachelor of Fine Arts, Art Center College of Design in Pasadena/Kalifornien, 1999 Studium an der Skowhegan School of Painting and Sculpture, Maine; 2000-2001 Studium an der Fachhochschule Aachen; 2001 Master of Fine Arts am California Institute of the Arts, Valencia/Kalifornien;   Ausstellungen (Auswahl): Museum für Gegenwartskunst, Basel; Kunstverein Ulm; Witte de With Museum, Rotterdam; San Francisco Museum of Modern Art

 

 

 

Jim Rakete. Stand der Dinge
 9. Oktober 2013 - 12. Januar 2014

 

Martina Gedeck mit handschriftlichen Abschriften ihrer Drehbücher; Copyright der Fotografien bei Jim Rakete und Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main

 

In den Jahren 2009 bis 2011 hat Jim Rakete (geb. 1951 in Berlin) exklusiv Legenden, Macher und Talente des deutschsprachigen Kinos fotografiert. Entstanden ist die Porträtreihe „Stand der Dinge“, die ursprünglich als überschaubare Hall of Fame geplant war, sich dann aber zu einer umfangreichen Schau für die neuen Ausstellungsräume des Deutschen Filmmuseums entwickelte.
Alle Porträtierten haben sich mit einem Requisit oder für sie bedeutenden Gegenstand ablichten lassen, mit dem sie eine persönliche Erinnerung ihrer filmischen Laufbahn verbindet.  
Entgegen seiner Gewohnheiten hat Jim Rakete den „Stand der Dinge“ in Farbe fotografiert, was der zentralen Rolle der Objekte geschuldet ist, die als Teil einer filmischen Welt gewollt auf eine andere Ebene verweisen. Im Gegensatz zu seiner vorhergehenden großen Porträtreihe „1/8 sec.“, ist der „Stand der Dinge“ digital fotografiert. Statt nur weniger Plattenaufnahmen, machte der Fotograf diesmal eine Vielzahl von Aufnahmen pro Shooting. Eine völlig andere Herangehensweise, doch ist im Ergebnis auch diesmal Raketes sanfter, klarer Stil deutlich erkennen.

Ausstellung in Kooperation mit den 3. Filmkunsttagen Sachsen-Anhalt und dem Filmmuseum Frankfurt/Main