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    40 Jahre | 40 Künstler | 40 Werke

Ausstellung anlässlich des 40. Jubiläums des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen mit Werken aus den Sammlungen


12. Mai 2015 bis 28. März 2016

verlängert bis 29. Mai 2016


 

Blick in die Ausstellung mit Werken von Hermann Glöckner, Werner Stötzer und Friedrich B. Henkel. Foto: Hans-Wulf Kunze

 

 

Sind 40 Jahre eine lange Zeit? Nun, es gibt ältere Museen. Aber, wenn man bedenkt, wie viele Generationen von Kindern in dieser Zeit erwachsen wurden und hier, in diesem vielbesuchten Museum ihren ersten Kontakt mit der Kunst hatten, dann sind vier Jahrzehnte eine lange Zeit. Nehmen wir ganz allgemein die Anzahl der Besucher und der Künstler oder der Ausstellungen und der Kunstwerke in all den Jahren im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, so sind alle diese Zahlen immens. Sie sprechen für das Interesse an der Kunst, sie sprechen über diesen besonderen Ort in der Geschichte und Gegenwart Magdeburgs.

 

Im Juni 1975 beschloss der Rat der Stadt den Ausbau des Klosters Unser Lieben Frauen zum Kunstmuseum Magdeburg. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits wichtige Arbeiten zum Wiederaufbau erfolgt, sodass Räume für Ausstellungen genutzt werden konnten. Von Anfang an war der inhaltliche Anspruch der Ausstellungen und Kunstsammlungen überregional, seit 1990 zunehmend international ausgerichtet.

 

Durch den Aufbau der Nationalen Sammlung Plastik der DDR 1976 wurde der Schwerpunkt vorerst auf die Bildhauerei gerichtet, während heute hinzugekommene Sammlungsgebiete das Spektrum erweitern und auch einen Hinweis auf Veränderungen innerhalb der zeitgenössischen Kunst geben. So wird neben der fotografischen Sammlung die Sammlung Medienkunst seit 2005 systematisch entwickelt. Zu den jüngsten Erwerbungen gehören Werke von Michael Schmidt, Tobias Zielony, Hito Steyerl und Bjørn Melhus.

 

In den Tonnengewölben des Nordflügels sowie im Skulpturenpark werden ständig Werke aus den Sammlungen des Kunstmuseums gezeigt. Die Ausstellung 40|40|40 präsentiert anlässlich des Jubiläums eine zusätzliche Auswahl von 40 Kunstwerken, die in den letzten 40 Jahren für die Sammlungen der Stadt erworben wurden, folgender Künstler und Künstlerinnen:

 

Claudio Abate

Siegfried Anzinger

Johanna Bartl

Laura Bielau

Kurt Buchwald

Ernesto Burgos

Johan Creten

Hartwig Ebersbach

Wieland Förster

Ruth Francken

Hermann Glöckner

Sabina Grzimek

Friedrich B. Henkel

Irma Hünerfauth

Franz Johannknecht

Sven Johne

Rashid Johnson

Koji Kamoji

Max Lachnit

Reinhold Langner

Mario Lobedan

Lucebert

David Lynch

Maix Mayer

Bjørn Melhus

Jenny Mucchi-Wiegmann

Chris Newman

Jewyo Rhii

Michael Schmidt

Baldur Schönfelder

Jochen Seidel

Hito Steyerl

Werner Stötzer

Beat Streuli

Sean Snyder

Niele Toroni

Susan Turcot

Max Uhlig

Olaf Wegewitz

Tobias Zielony

 

 

    DIETER LAHME Konzentrate und Rundumbilder

Malerei & Skulptur

10. Dezember 2015 bis 13. März 2016

verlängert bis 29. Mai 2016

 

Dieter Lahme: 13.08.1970, Dispersionsfarbe auf Leinwand

 

In den 60er-Jahren malt Dieter Lahme (geb. 1938 in Emmerich, lebt in Wanzleben) Konzentrate: geometrische Formen, schwarz, weiß, meist auf das Format 1 x 1 m. Ein Konflikt lässt die Rundumbilder entstehen: Ein Käufer seiner Gemälde hängt zwei davon entgegen der vom Künstler vorgegebenen Richtung auf, stellt oben und unten, rechts und links in Frage. Lahme erkennt für sich: „Das, was sich auf dem Bildformat befindet ist primär, ‚ewige‘ Kunst. Wie das Format gehängt wird, ist sekundär, momentbezogen.“ Die Lösung liefert ihm die Kugel als Maluntergrund. Sie kann der Betrachter in die Hände nehmen, drehen, von allen Seiten betrachten und buchstäblich be-greifen. Als Fortsetzung schafft Lahme die Plastischen Systeme: variable Skulpturen, bestehend aus mehreren geometrischen Körpern, die der Betrachter nach eigenem Empfinden umgestalten kann, indem er die einzelnen Elemente neu ordnet. Dieter Lahmes Kunst basiert auf dieser sozialen Idee eines offenen Dialoges, ihre Komponenten sind ideell mehrdeutig und manuell veränderbar.

 

Dieter Lahme: Rundumbild, 1968-70, Plaka auf Holz

 

Homepage des Künstlers: www.dieterlahme.de

Pressestimmen:

Beitrag MDF1 (ca. ab 12:08 Min.) 

Beitrag kulturmd 

 

 

 

   ALICIA PAZ
   The Garden of Follies | Der Garten der Torheiten

Malerei & Skulptur

29. November 2015 bis 6. März 2016

 

 

Alicia Paz: South of the River, 2007, Repro: Stephen White

 

Ein fantastischer Märchengarten in voller Blüte, prall gefüllt mit Verlockungen weiblicher Natur, verwirrt unsere Sinne. Die Makellosigkeit der Frauengesichter, die Pracht der bunten Blüten und Stoffe zieht uns magisch an. Eingehüllt in üppige farbenfrohe Kostüme, die sich wie ein vielschichtiger Kokon um ihre Leiber schlingen, blitzt ihr seltsam ausdrucksloses Gesicht hinter Masken hervor. Sind es gute Feen, sind es böse Hexen? Was ist echt, was ist künstlich?

 

Von einem Rausch sinnlicher Exotik eingehüllt, besitzen die Frauen ein multiples Wesen, das es ihnen erlaubt, die Seiten zu wechseln, sich unterschiedlichsten Situationen anzupassen. Sie umkreisen übermütig das Leben und befinden sich doch in einem seelischen Versteckspiel, immer an der Grenze zwischen Illusion und Abgrund. Es ist nicht ablesbar, ob sie in dieses Rollenspiel gezwungen wurden oder auf einem Jahrmarkt der Eitelkeiten ihren Schabernack mit uns treiben.

 

Alicia Paz’ rätselhafte Frauenfiguren entwickeln aus einer Melange von Stilmitteln und Motivfragmenten ein Rollenspiel mit schillernden Identitäten. Dieses zieht gleichzeitig das Konzept von Identität in Zweifel. Die sich imGarten der Torheiten abspielenden Paradoxien und Scheinwelten verheimlichen nicht, dass sie aus Versatzstücken von Kunst und Alltag zustande kommen.

 

Offenbar bringt Alicia Paz hiermit auch ihre eigene Rolle als Künstlerin ins Spiel. Den illustrativen Dekors gelingt es, unsere Aufmerksamkeit dafür zu gewinnen, das intellektuelle Vergnügen der Malerin an der Entstehung ihrer Bilder auch in ihrer Betrachtung zu teilen. Das funktioniert, weil uns darin eine Unbeschwertheit lockt, die vom kreativen Prozess der Kunst berichtet, die ihn durchleuchtet und gleichzeitig repräsentiert. Auf diese Weise beziehen sich Alicia Paz’ künstlerische Werke parabelhaft auf die gesellschaftlichen Prozesse unserer Zeit.

 

Das Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg zeigt in Zusammenarbeit mit der Galerie Dukan Paris/Leipzig Alicia Paz’ erste Museumsausstellung in Deutschland. Zahlreiche Werke stammen aus verschiedenen staatlichen und privaten Sammlungen in Frankreich, der Schweiz und Großbritannien. Neben Gemälden und Papierreliefs wird Alicia Paz erstmals auch ihre skulpturalen Cut-outs in einer umfassenderen Zusammenschau zeigen. Die Ausstellung bietet ein abwechslungsreiches Gelände szenischer Tableaus. Zur Ausstellung wird ein zweisprachiger Katalog erscheinen.

 

Alicia Paz: Madama Butterfly, 2013, Foto: Stephen White

 

 

Alicia Paz (geb. 1967) ist in Mexiko aufgewachsen und hat in Kalifornien, Paris und London studiert. Ihre Bilder scheinen vom Wechselspiel der Eindrücke aus all diesen Stationen angefüllt, mit ihrem Lebensweg als Künstlerin steht sie für die durchlässigen Grenzen unserer Zeit und für die damit verbundenen kulturellen Überschneidungen und Spiegelungen.  

 

Homepage der Künstlerin. http://www.aliciapaz.co.uk/

Homepage Galerie Dukan: http://www.galeriedukan.com

Siehe auch Interview von Artist Pension Trust mit Alicia Paz

 

 

 

    ULRICH WÜST Ein Konvolut von Fotografien

    aus Magdeburg zwischen 1981 und 2000

Fotografie

2. September bis 29. November 2015

 

Ulrich Wüst: Ottersleben, 1981   Ulrich Wüst: Ottersleben, 1998

 

Der Fotograf Ulrich Wüst, geboren 1949 in Magdeburg, lebt schon lange in Berlin. Hin und wieder, wenn er in der Stadt seiner Kindheit weilt, entstehen Aufnahmen zwischen persönlichen Erinnerungen und den eingetretenen Veränderungen.

Im Jahre 2001 zeigte das Kunstmuseum Magdeburg, unterstützt vom Stadtplanungsamt, Ulrich Wüsts umfassende Ausstellung Morgenstraße mit Magdeburger Aufnahmen aus den Jahren 1998 bis 2000. Um dieselbe Zeit hatte das Stadtplanungsamt in mehreren Teilen das hier vorliegende Konvolut an Bildern erworben. Diese Bildabzüge dienten allerdings nicht zu Ausstellungs-, sondern zu dokumentarischen Zwecken. Darunter finden sich Schwerpunkte in der damaligen Stadtplanung, wie Buckau oder Ottersleben. Inzwischen ist dieses Konvolut von Aufnahmen in die Sammlungen des Kunstmuseums eingegangen und wird hier erstmals vollständig gezeigt. 

Die ersten gültigen Schwarzweißfotografien von Ulrich Wüst in den Straßen Magdeburgs entstehen Anfang der 1980er Jahre. Viele Fotografien halten ältere Gebäude im Bild fest. Die ruhige Klarheit seiner Aufnahmen in ihrer mittlerweile historisch gewordenen Schwarzweißästhetik weckt den Eindruck, als würden die Bilder zeigen, was schon immer so aussah, erst im Vergleich sieht man Veränderungen. Die Straßen und die Fassaden der Bauwerke sprechen mit dem Betrachter. Sie geben Auskunft über die darin wohnenden Menschen, und Menschen leben mit der Zeit und müssen abwägen, was sie bewahren und was nicht. Daher zeigen manche Bilder bereits Ansichten, die man nicht mehr auffinden kann.

Die typische Stimmungslage all dieser Fotografien, die Art, in welcher Ulrich Wüst innerstädtische Räume mit Hilfe des vorhandenen Lichts nuanciert aus Schwarz und Weiß aufgliedert, zu Bildkompositionen zusammenzieht und dabei bewusst die der Fotografie eigene Detailgenauigkeit nutzt, lässt sich nur mit einer künstlerischen Haltung erklären, die deutlich über das Dokumentarische hinaus geht. Hierin besitzen seine Aufnahmen einen bildlichen Eigenwert von stilistischer Charakteristik.

 

Ulrich Wüst studierte 1967–1972 an der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar. Nach seinem Umzug nach Ostberlin war er von 1972–1983 als Stadtplaner und Bildredakteur tätig. Seit 1984 ist er freiberuflicher Fotograf in Berlin.

 

Fotografien von Ulrich Wüst befinden sich u. a. in folgenden öffentlichen Sammlungen: Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin, Deutsches Historisches Museum Berlin, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland, Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, Staatsgalerie Stuttgart.

 

 

 

    LUCAS FOGLIA
    Frontcountry Grenzland

Fotografie

10. September bis 15. November 2015

 

 

        

 

Lucas Foglia: George Chasing Wildfires (George jagt Buschbrände), Eureka, Nevada 2012, aus der Serie Frontcountry, 2006-2013

 

Der Mythos des amerikanischen Traums hat stets auch die Lebensvorstellungen der Menschen außerhalb Amerikas stark geprägt. Symbolisch ist er untrennbar mit den Bildern der Cowboys in den unendlichen Weiten des Mittleren Westens verbunden. Ökonomisch begründet er sich wohl weitestgehend auf ökologischem und sozialem Gleichmut und glorifiziert das Recht des Stärkeren.

 

Szenen aus Landwirtschaft und Bergbau prägen die Fotoserie Frontcountry, entstanden von 2006 bis 2013. Der US-amerikanische Fotograf Lucas Foglia (geb. 1983) trifft Menschen, lernt sie kennen und begleitet ihre Suche nach dem idealen Lebensmodell mit pointierten und zuweilen skurrilen Bildern. Virtuos inszeniert er in atemberaubend gigantischer, uramerikanischer Kulisse cinematoskopische Panoramen, die den großen Traum vom selbst geschmiedeten Glück, vom Leben im Einklang mit der Natur und von der eigenen Hände Arbeit noch einmal in altem Glanz erstrahlen lassen. Dagegen stellt er Bilder, die die Vergänglichkeit dieser Lebensformen an die Oberfläche treiben. Gegen die augenscheinliche Idylle der Zivilisationsflüchtlinge und Landarbeiter montiert der Künstler die Geschichte eines sterbenden amerikanischen Mythos’: der Wilde Westen der Cowboys weicht einer menschenleeren, von Raubbau gezeichneten Industrielandschaft.

 

Foglias Fotografien zeigen das Nebeneinander von Traum und Albtraum, den alten Mythos voller Pathos und Poesie und zugleich seine gewaltsame Vernichtung.

 

Lucas Foglia bindet sich in die großen Traditionen der Fotografie – die bildmächtige Inszenierung der amerikanischen Landschaft, wie sie Ansel Adams betrieb, das Gespür für den besonderen Moment des Geschehens, wie es der Franzose Henri Cartier-Bresson definierte und Garry Winogrand vervielfältigte, der klare analysierende Blick der Kamera auf soziale Geschehnisse, wie ihn Walker Evans prägte und Joel Sternfeld weiterführt.

 

Die vollständige Serie Frontcountry ist das erste Mal in Europa ausgestellt. Es ist Lucas Foglias erste große Einzelausstellung in Deutschland.

 

Der Bildband "Frontcountry" von Lucas Foglia ist zum Preis von 49,00 Euro im Museumsshop erhältlich.

Zudem ist anlässlich der Ausstellung eine Publikation zum Preis von 8,00 Euro erschienen (zahlr. Abb., Text dt/engl., ISBN 978-3-9816665-4-0).

 

        

Lucas Foglia: Tommy Trying to Shoot Coyotes (Tommy versucht, Kojoten zu schießen), Big Springs Ranch, Oasis, Nevada 2012, aus der Serie Frontcountry, 2006-2013

 

Lucas Foglia

geb. 1983 in New York, wuchs Lucas Foglia auf der Farm seiner Eltern auf, die der “back-to-the-land”-Bewegung angehörten; er studierte Fotografie an der Universität von Yale und Bildwissenschaften an der Brown-Universität in Providence; er lebt in San Francisco.

Seine Arbeiten befinden sich u.a. im Denver Art Museum; im Museum of Fine Arts in Houston; im Philadelphia Museum of Art; im San Francisco Museum of Modern Art und im Victoria & Albert Museum, London

 

 

Homepage des Künstlers: http://lucasfoglia.com

 

 

 

 

    ff. über die Liebe zur Kunst

Eine Ausstellung der Freunde und Förderer des Kunstmuseums e.V.

5. Juli bis 25. Oktober 2015

 

Eröffnung:  4. Juli 2015, um 16.00 Uhr

im Rahmen der Geburtstagsparty anlässlich des 40. Jubiläums des Kunstmuseums

 

Über die Liebe zur Kunst – so sind die Mitglieder des Freundeskreises zu Unterstützern und Förderern des Kunstmuseums geworden.

 

In einer Ausstellung zum Thema haben die Freunde nun anlässlich des 40. Jubiläums des Kunstmuseums aus dessen Depots unter ganz persönlichen Gesichtspunkten Werke ausgesucht, die zusätzlich zu Dauerausstellung und Jubiläumsausstellung 40 JAHRE | 40 KÜNSTLER | 40 WERKE hier noch immer auf ihre Präsentation warteten. Oft sind es Papierarbeiten, die aus konservatorischen Gründen nur selten gezeigt werden können, manchmal sind es ganz neu in die Sammlung gekommene Kunstwerke, die zum ersten Mal ausgestellt werden, aber auch solche, die lange nicht zu sehen waren, weil Museen ohnehin immer nur einen kleinen Teil ihrer Sammlungen zeigen können.

 

Einen ganz unmittelbaren Zugang zu den Kunstwerken schaffen die sehr persönlichen Texte der Freunde, die in anregender Weise schildern, weshalb es ausgerechnet dieses oder jenes Kunstwerk war, das nun in der Ausstellung zu sehen sein wird.

 

Ausgestellt sind Werke folgender Künstler und Künstlerinnen:

Theodor Balden                              

Ian Hamilton Finlay                    

René Graetz                                                   

Frieder Heinze 

Eugen Hoffmann

Wieland Krause                                                           

Hans-Wulf Kunze                                               

Max Lachnit 

Bruce McLean                                                          

Jenny Mucchi-Wiegmann

Emerita Pansowovà                 

A. R. Penck                                         

Gabi Rets

Ingrid Roscheck

Franziska Schwarzbach                                                    

Laurie Simmons 

Hans Steinbrenner

Werner Stötzer                                       

Dagmar Varady                                                                   

Auke de Vries                         

Olaf Wegewitz                                                  

Andreas von Weizsäcker 

 

 Eine Ausstellung der Freunde und Förderer des Kunstmuseums Kloster Unser Lieben Frauen Magdeburg e.V.

 

Olaf Wegewitz: o. T., 2001, Farbe, Bleistift auf Papyrus, beidseitig

 

 

 


 

 

 

 

   LORE KRÜGER
   Ein Koffer voller Bilder. Fotografien 1934–1944

10. Juni bis 23. August 2015, verlängert bis 26. August 2015

 

 

      

Lore Krüger: Paris, 1935 © C/O Berlin Foundation

 

„Farbe und Form in Licht und Schatten umzusetzen, das Bild, das mir vorschwebte, auf den Film oder auf die Palette zu bannen“ – so beschreibt Lore Krüger, 1914 als Lore Heinemann in Magdeburg geboren, am Ende ihres Lebens die Intention ihres fotografischen Schaffens, das über 70 Jahre zurückliegt. Die Fotografien sind zwischen 1934 und 1944 entstanden, der Zeit in der Lore Krüger Verfolgung, Emigra-tion, Internierung, Flucht und Widerstand er- und überlebte und es doch schaffte, gleichzeitig Fotografin zu werden. „Meine Kamera kam nicht zur Ruhe“, schrieb sie später, sie wurde ihr ständiger Begleiter auf den vielen Stationen ihres Exils: London, Mallorca, Barcelona, Paris, Marseille, Trinidad, New York. So schuf sie einzigartige, historische Dokumente zwischen Privatfotografien, Auftragsarbeiten, Sozialstudien, Kriegsfotografie und abstrakten, fotografischen Experimenten.

 

Als Fotografin Loré war sie emanzipiert, berufstätig, politisch aktiv und pflegte enge Kontakte zu Künstlern und Intellektuellen in Paris. Im Exil in New York wurde sie Mitbegründerin der Exilzeitschrift The German American, in der viele bekannte Schriftsteller, u.a. Heinrich Mann, veröffentlichten.

Ab 1946 lebte sie mit ihrem Mann, dem Antifaschisten und Kommunisten Ernst Krüger in der DDR, arbeitete als Übersetzerin und wurde als Zeitzeugin eine stetige Mahnerin gegen den Faschismus. Ihr wiederentdecktes fotografisches Werk wurde mit großem Erfolg erstmals im Ausstellungshaus für Fotografie C/O Berlin gewürdigt und ist nun direkt im Anschluss im Kunstmuseum Magdeburg zu sehen.

 

Die unter dem Titel „Quer durch die Welt – das Lebensbild einer verfolgen Jüdin“ 2012 im Schkeuditzer Buchverlag erschienenen Lebensaufzeichnungen der Fotografin sind zum Preis von 14,00 Euro im Museumsshop erhältlich, ebenso der vom Ausstellungshaus für Fotografie C/O Berlin herausgegebene Katalog zur Ausstellung zum Preis von 29,95 Euro.

 

 

Mehr auch unter http://www.co-berlin.org/lore-krueger-ein-koffer-voller-bilder

 

 

 

    Figur & Gefäß

Ausstellung anlässlich des 100. Jubiläums der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Skulptur & Keramik

12. März bis 25. Mai 2015 (verlängert)

 

Es gehört zur Eigenart der BURG, dass sie im Verlauf ihrer wechselvollen Geschichte für die dort ausgebildeten und lehrenden Künstler selten eine Weggabelung bedeutete – eine Weggabelung zwischen Freier Kunst und Angewandten Künsten. Stattdessen sorgten Interdisziplinarität und eine gattungsoffene Arbeitsatmosphäre für die Möglichkeit, mit dem künstlerischen Werk zwischen den beiden andernorts oft um scharfe Abgrenzung zueinander bemühten Bereichen der Freien Kunst und der Angewandten Künste zu oszillieren. Diesem Pendeln zwischen den Sphären, deren Trennung vor allem für den deutschen Sprachraum charakteristisch ist, widmet sich die Kabinettausstellung Figur & Gefäß. 

Exemplarisch treffen Stücke aus dem Kunstmuseum und dem Kulturhistorischen Museum Magdeburg aufeinander, die in einem engen Zusammenhang mit der BURG stehen, weil ihre Urheber entweder hier ausgebildet wurden oder gelehrt haben. Arbeiten der Bildhauer Gustav Weidanz, Wilfried Fitzenreiter, Johann-Peter Hinz und Lutz Holland begegnen Keramiken von Gertraud Möhwald, Antje Scharfe, Ute Brade und Hans-Jo­achim Schirrmeister. Diese Werke aus den Bereichen Bildhauerei, Keramik und Medaillen kamen in den 1960er bis 1990er Jahren in Magdeburger Museumsbesitz. Der Einblick in museale Kunstsammlungen ist immer ein Rückblick auf die Geschichte und in diesem Fall ein gültiger Beleg für die Ausstrahlung der BURG seit vielen Jahrzehnten. 

 

 

Jubiläumshomepage der Burg Giebichenstein http://100.burg-halle.de/

 

 

 Keramiken von Hans-Joachim Schirrmeister in der Ausstellung Figur & Gefäß.

DOUGLAS HENDERSON

Music for 100 Carpenters | IN ORDER

25. Oktober 2014 - 11. März 2015


Videoinstallation | Kinetische Klangskulptur

Eröffnung: Freitag, 24. Oktober 2014, 19.00 Uhr

in Kooperation mit dem SinusTon-Festival

 

Schläge im Akkord hallen durchs Gebäude. Unaufhörlich schwillt der ohrenbetäubende Tumult durch die Räume, wandert wellenförmig an den Wänden entlang und wird zu einem voluminösen Klangkörper, dessen Schwingungen und Töne den Raum in eine Skulptur verwandeln. 

100 Leute hämmern, einer 30-minütigen Partitur folgend, Nägel in Holzblöcke. Für diese Soundskulptur, die Douglas Henderson 2009 als Performance aufführte und die er als Video-Ton-Installation zeigt, wurden bis zu 10.000 Nägel verbraucht. Der Klang wandert und schwingt wellenförmig durch den Raum und wird fast greifbar, die Vibrationen spürbar. Streng orchestriert vollziehen sich die Hammerschläge und legen sich arhythmisch übereinander. Eine Klangwolke skulpturiert den Raum.

 

Stimmgewirr bedeckt den Raum. Sätze, Worte und einzelne Laute springen kreuz und quer umher und konstruieren akustisch ein neues Raumgefühl. Die kinetische Klangskulptur IN ORDER von 2012, die im mittleren tonnengewölbten Raum des Nordflügels als 8-Kanal-Komposition installiert ist, formt den Raum durch schnellen Sprechgesang. Die Lautsprecher, die die Stimme des Poetry Slammers MC Jabber durch den Raum bewegen, befinden sich in Häusern ähnlichen Gebilden, auf denen kupferne Trichter den Ton ausstoßen. Diese Trichter werden allein durch die Vibration der Tonwellen bewegt. MC Jabber spricht so schnell, dass seine Worte zu einem nahezu unverständlichen, aber suggestiv wirkenden Klangteppich verschmelzen.

 

Douglas Henderson, geboren 1960 in Baltimore in den USA, lebt heute in Berlin. Seine Installationen aus Klang, Skulptur und Raum erzeugen synästhetische Erfahrungen und spielen mit der konventionellen Raumwahrnehmung.

 

Mittwoch, 5.11.2014, um 19.00 Uhr

DIALOG - Künstlergespräch mit Douglas Henderson

 

http://www.douglashenderson.org/

 

Douglas Henderson: Music for 100 Carpenters, 2009. Performance / Video-Ton-Installation, Foto: David Henderson 

    DAILY MEMORIES

16. November 2014 - 1. März 2015

 

Erinnerst du dich? Erinnerung ist die vielleicht wichtigste Methode unserer Orientierung im Leben. So unmittelbar Erinnerungen ein Teil unserer Persönlichkeit und unseres sozialen Wesens sind, so wenig greifbar erscheint die alltägliche Funktionsweise unseres Gedächtnisses. Unsere Erinnerungen können uns täuschen, verfolgen, sie selektieren, was geschah und sie verlassen uns – vielleicht besonders in unserer heutigen Zeit, die ein ungekanntes Maß technischer Kapazitäten zur Speicherung charakterisiert. Verliert unser Erinnerungsvermögen das bisherige Maß an Einsicht und verschieben sich bereits die Maßstäbe des Wirklichen in die Perspektive aufgerufener Schlagwörter im Internet? Immer war es vielleicht die wichtigste Idee und Aufgabe der Kunst, festzuhalten, was ist, um auch später und an anderen Orten darüber Auskunft zu geben. Die künstlerische Form ist Instrument und Ort der Speicherung von Erinnerungen. 

In den Werken von 17 internationalen Künstlern zeigen sich ganz unterschiedliche Methoden, in denen die Funktion von Erinnerung sichtbar wird. Da geht es beispielsweise um die mit Hilfe der Massenmedien kollektiv verankerten Bilderinnerungen, die Michael Schirner in manipulierten Fotografien untersucht; da ist die Angst vor dem Vergessen oder Vergessenwerden, von denen die gesichtslosen Porträts des Malers Gideon Rubin sprechen; da erklingt in einem Video von Edgar Arceneaux die in einem Lied verarbeitete Erinnerung an den eigenen Vater.

Das Foto von Anahita Razmi (Abb. rechts) erinnert an Aufnahmen von Micheline Bernardini aus dem Jahre 1946. Der Modeschöpfer Louis Réard hatte das Mannequin mit einem zweiteiligen Badeanzug auf den Laufsteg geschickt, der mit Pressebildern von Atomtests am Bikini-Atoll bedruckt war. Dieser provokante medienwirksame Auftritt etablierte seinerzeit das Wort „Bikini“ in der Modebranche.

Hans-Peter Feldmann entdeckt Typologien im Alltag. Sein Zyklus 100 Jahre (Abb. unten) besteht aus 101 Fotografien. Er beginnt mit einem Foto kurz nach der Geburt und alle weiteren Fotos stehen jeweils für ein Lebensjahr. Wie so oft ist die Fotografie ein Speicher für Erinnerungen an das Leben. 

Das Wort Daily bezieht sich auf unser Erinnern im Alltag, das oft durch unbewusste Reize ausgelöst wird, sei es durch einen Geruch, ein Geräusch – oder das Betrachten von Kunst.

So konstruiert die Ausstellung einen komplexen Horizont von Bildern und Bedeutung, in dem sich der Betrachter mit seinen eigenen Erfahrungen bzw. mit seinem Gedächtnis spiegeln kann. 


Beteiligte Künstler:


EDGAR ARCENEAUX 

JEREMY DELLER 

MARKUS DRAPER 

HANS-PETER FELDMANN 

RUTH FRANCKEN 

DIETER FROELICH

MICHAEL HOFSTETTER 

SVEN JOHNE 

RASHID JOHNSON

JOEP VAN LIEFLAND

NICHOLAS NIXON

ANAHITA RAZMI

REALITIES:UNITED

GIDEON RUBIN

MICHAEL SCHIRNER

NANAÉ SUZUKI

YIN XIUZHEN 

 

 

 

 

Hans-Peter Feldmann: aus der Serie: 100 Jahre, 1996-2000, SW-Fotografie, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland - Sammlung Zeitgenössische Kunst

 

 

Markus Draper: 0:08:45 aus der Serie Demotape, 2012-13, Öl auf Leinwand