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     JOHN SMITH Dad's Stick

ab 8. Februar 2017 in der Medienlounge

 

John Smith: Dad's Stick, 2012, HD Video, 5 min (Still)

 

Das Video von John Smith nimmt uns mit auf eine Reise in die Vergangenheit, in deren Mittelpunkt der Vater des Künstlers steht. Es geht um Erinnerung und woran sie sich festhält. Wir erfahren, dass sein Vater eine Vorliebe für bestimmte Farben hatte, mit denen er malte. Der Film zeigt nacheinander die Lieblingsfarben und dem darauf eingeblendeten Text entnehmen wir, dass sich seine Vorlieben im Laufe der Jahre veränderten. Der erste Eindruck, es mit einem abstrakten Maler zu tun zu haben, gerät unerwartet in Zweifel, als John Smith (geb. 1952 in London) den Holzstab zeigt, den der Vater über all die Jahre zum Umrühren der Farben benutzt hat, um die Wohnung neu zu streichen. Wie die Jahresringe eines Baumes umgeben die verschiedenen Farben diesen Stab als Chronik der wechselnden Wandfarben in der Wohnung, in der John Smith aufwuchs. 

Wie ähnlich unklar Worte oder Bilder einen bestimmten Gegenstand beschreiben ist das Thema, das alle Videos von John Smith hindurchzieht. Stets schlägt der Künstler dabei den Bogen von der Ambivalenz in Worten und Bildern hin zu der ähnlich brüchigen Beziehung zwischen Filmen und der Realität, die sie zeigen. So wie Film alles in die Konstruktion und damit auch Fiktion überführt, so bemäntelt jede neue Farbschicht alle darunter liegenden Zeiten. Im Verlauf des Videos legen die aufgeschnittenen Farbschichten um den Stab persönliche Erinnerungen frei, die uns die subtile Beschreibung des Charakters eines Menschen mit festen Normen und einem ausgeprägten sozialen Grundverständnis liefern. So wird der Film zur liebevollen Beschreibung eines Menschen, indem er Farbschichten um den Stab bis nach innen, wie einzelne Blicke in die Zeit zurück, durchdringt.

 

John Smith hatte 2003 im Kunstmuseum Magdeburg seine erste Museumsausstellung.

 

 

 

     HORST BARTNIG
     konkret: unterbrechungen

 

21. Februar bis 7. Mai 2017

Eröffnung: Sonntag, 19. Feburar, um 15.00 Uhr

 

Horst Bartnig: 280 unterbrechnungen in weiß, streifen in schwarz, 280 unterbrechungen in schwarz, streifen in weiß, 2010, Acryl auf Leinwand, 200 x 800 cm

 

Nur zwei strukturelle Prinzipien ermöglichen es Horst Bartnig (geb. 1936 in Militsch/Schlesien) seine Malerei in einen Kosmos von kaum vorstellbarer Vielfalt zu dehnen: die variationen und die daraus hervorgegangenen unterbrechungen. Zählt im Einzelbild seiner Malerei die Geometrie, deren Schlüssel zu ergründen unsere Betrachtung lenkt und auf diese Weise in die Ästhetik ihrer klaren Farbwechsel und ihrer geometrischen Ordnung zieht, ist es in der Begegnung mit mehreren Bildern genau umgekehrt: Das sich gegenseitig leicht selbsterklärende System vervielfältigt seine visuellen Möglichkeiten ins Unüberschaubare. In der Malerei lässt sich Farbwahrnehmung kaum stärker zuspitzen, Rhythmus kaum strukturierter anwenden, Aleatorik kaum unvorhersehbarer gründen. Obwohl alle Bilder von Horst Bartnig ganz regulär aus abstrakten Gestaltungsprinzipien und deren Handlungsmustern hervorgehen, sind seine Malereien sensuelle Duschen für die Augen, die uns blinzeln lassen.

 

Horst Bartnig: unterbrechungen 5 in 9er gruppen, 2013

 

Horst Bartnig ist ein künstlerischer Sonderfall. Nicht nur, dass er völlig autonom seine mathematischen Systemen folgende Malerei entwickelte und vertrat, auch heute tritt sein Werk den Beweis an, wie geometrisch Elementares, in System und Spiel versetzt – alle Trends und Entwicklungen der Kunst dahingestellt – nichts an lebendiger Frische zu wünschen offen lässt. Bartnig hatte in den 1950er Jahren an der Fachschule für angewandte Kunst in Magdeburg Bühnenmalerei gelernt, war viele Jahre für die Bühne in Berlin tätig und entwickelte ab den 1960er Jahren seine künstlerische Position konkreter Malerei. Seine Experimente in der Computerkunst und die Systematik seiner farb-geometrischen Malerei sind singulär in der DDR. 

Die Ausstellung präsentiert in Form einer Gesamtinstallation zahlreiche Gemälde und Grafiken der unterbrechungen. Es erscheint eine Katalog.

 

 

 

 


    "SEHT, da ist DER MENSCH"

Ausstellung anlässlich des Reformationsjubiläums 2017

23. Mai bis 5. November 2017 

Eröffnung am Sonntag, 21. Mai 2017

 

 

Lucas Foglia: Andrew and Taurin Drinking Raw Goat's Milk, Tennessee, 2009, aus der Serie A Natural Order, 2006-2010, C-Print 

 

Seht, so ist der Mensch, schwach wie Pilatus, ängstlich wie Petrus, ungläubig wie Judas, ausgeliefert wie Jesus; aber seht, auch so ist der Mensch: gütig, liebend und allzeit hoffend. Das Bild dieses vielansichtigen Menschen, der immer anders ist, nie gleich, der viele Facetten hat, der mal verletzlich und mal brutal ist, der ein anderes Mal staunend und erkennend Gutes tut: Das ist das Bild, das wir uns seit der Zeit Luthers vom Menschen machen. Unter dem Titel „SEHT, da ist DER MENSCH“, dem bekannten „Ecce homo“ aus dem Johannesevangelium (Joh 19,5), schlägt die Ausstellung zeitgenössischer Kunst, deren erster Teil anlässlich des 100. Deutschen Katholikentages 2016 in Leipzig zu sehen war, 2017 in Magdeburg nun den Bogen zum 500. Reformationsjubiläum. Sie zeigt den Menschen, seine Be- und Empfindlichkeiten, das Unsagbare, das Unaussprechliche seiner Existenz und seines Handelns. Ob Fotografie, Malerei, Skulptur, Video oder Installation, es sind die Bilder von uns selbst, die wir nicht unbedingt gern sehen, und es sind jene, die uns immer wieder begegnen und die sich einspannen in das menschliche Leben zwischen Geburt und Tod. Es sind Bilder, die emotional und anrührend, anklagend und versöhnend sind, die immer wieder der Frage nachgehen: Was macht den Mensch zum Menschen?

 

siehe auch MENSCH

 

                      

gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung

für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses

des Deutschen Bundestages