Logo Kunst Museum Magdeburg

 

Blick in den vom Kreuzgang umgebenen Innenhof mit Tonsur-Gebäude. Foto: Hans-Wulf Kunze

 

Um das Jahr 1017/18 gründete der Magdeburger Erzbischof Gero (1012/1023) nördlich des Domes ein der Muttergottes Maria, „Unser Lieben Frauen", geweihtes Kollegiatstift und stattete es reich aus. 1063/64 wurde unter Erzbischof Werner mit einem Neubau begonnen. Die flach gedeckte kreuzförmige Säulenbasilika zu acht Jochen mit mittlerem und westlichem Pfeilerpaar sowie einer Chorkrypta bildet bis heute den Kern der Kirche. Auch die Westturmgruppe scheint damals bereits konzipiert, jedoch erst im 12. Jahrhundert errichtet worden zu sein.

 

1129 übergab Norbert von Xanten (1080/85-1134), seit 1126 Erzbischof von Magdeburg, das Marienstift dem von ihm selbst 1121 ins Leben gerufenen Reformorden der Prämonstratenser. Nach der Übernahme durch die Prämonstratenser wurde der Westabschluss der Kirche vollendet. Als Norbert von Xanten 1134 starb, wurde er vor dem Kreuzaltar bestattet.


Auch die Klausur wurde noch im 12. Jahrhundert weitgehend fertiggestellt. Mit dem 16. Jahrhundert endete auch das Zeitalter der Prämonstratenser durch die Einführung der Reformation.

Das Äußere der ehemaligen Klosterkirche St. Marien kann als Lehrbeispiel für Sakralbau der Zeit um 1100 dienen. Klar voneinander abgesetzt sind ein Chorquadrat mit weiterer Apsis, ein massiges Querhaus (mit kleiner Nebenapsis am Südarm), ein gestrecktes Langhaus mit annähernd halbhohen Seitenschiffen und ein massiver Westriegel, bestehend aus einem quadratischen Glockenturm in Langhausbreite sowie zwei an den Seitenschiffen angelehnten schlanken runden Treppentürmen, deren verschieferte Spitzen alles überragen. Zentrum des ehemaligen Prämonstratenserklosters ist der zweigeschossige, aus Grauwacke gemauerte Kreuzgang, in seinen wesentlichen Teilen zwischen 1129 und vor 1200 errichtet. Dank der Wiederherstellung der Innenfassade des kriegszerstörten Westflügels ist sein Erscheinungsbild außerordentlich geschlossen.

 

Das 45 Meter lange und knapp 8 Meter breite Refektorium, im 12. Jahrhundert unter nordfranzösisch-burgundischem Einfluss errichtet, dient heute der Ausstellung von Gegenwartskunst aus der eigenen Sammlung, im Wesentlichen der Sammeltätigkeit der Jahre nach 1990.

Die Mittlere Tonne unter dem Refektorium ist nahezu ebenso groß wie dieses, jedoch deutlich gedrungener proportioniert und ihr vorderes Fünftel ist kreuzgratgewölbt.
Von der mittleren Tonne aus gelangt man in die dritte, die deutlich kürzere Untere Tonne aus dem Spätmittelalter.

Der Obere Kreuzgang mit einem großen modernen Galerieraum im Westflügel, dem kleinen gewölbten Obergeschoss des Poenitentiariums, der oberen Tonsur sowie einer Reihe von modernen Kabinetträumen im Ostflügel wird für temporäre Ausstellungen genutzt. Ihr Schwerpunkt liegt auf nationaler wie internationaler Kunst nach 1945.